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Freitag, den 17.09.1999 um 20.45 Uhr

 



(Histoire de famille)
Fernsehfilm von Emmanuelle Cuau Frankreich / Italien / Spanien 1998

Regie: Emmanuelle Cuau,
Buch:
Gérard Carré,
Kamera:
Phillippe Roussilhe,
Ton:
Patrice Mendez, Eric Bonnard,
Schnitt:
Dominique Gallieni, Richard Marizy,
Produktion:
Cartel & ICC / Solaris / Tanaïs com

Mit:
Juanjo Puigcorbé
(Pepe Carvalho),
Valeria Marini
(Charo),
Jean Benguigui
(Biscuter),
Walter Vidarte
(Bromuro),
Bernadette Lafont
(Mathilda),
Yann Colette
(Arquimedes),
Serge Merlin
(Don Joaquim)

Der junge Mariano Pelletier wurde in einem Hotelzimmer von einem Unbekannten erschossen. Marianos Tod trifft seinen Vater, den reichen Bankier Don Joaquim Pelletier und seine Ehefrau Mathilda wie ein Schlag. Als das Ehepaar Pepe Carvalho beauftragt, den Mörder zu suchen, zögert der Privatdetektiv, da er sich nicht in Polizeiermittlungen einmischen will.

Indessen erlebt Charo, Carvalhos ewige Geliebte, einen Schock: Ihre beste Freundin Nanny stürzt schwer verletzt in Charos Bar «Tatuaje» und sinkt in Charos Armen zusammen. Kurz bevor sie stirbt, versucht Nanny Charo noch etwas mitzuteilen....

Als literarische Vorlage für diese Carvalho-Episode diente die gleichnamige Erzählung von Montalbán, die in dem Band "Historias de padres e hijos" (Geschichten von Vätern und Söhnen) veröffentlicht ist. Aus demselben Band stammt auch die literarische Vorlage für die Carvalho-Folge AUF DER SUCHE NACH SHEHERAZADE, die ARTE am 08.09.1999 sendet.

Emmanuelle Cuau ist Regisseurin und Drehbuchautorin. Sie wirkte am Drehbuch des letzten Films von Jacques Rivette, SECRET DEFENSE mit.

INTERVIEW mit Emmanuelle Cuau

Kannten Sie Pepe Carvalho und die Romane von Manuel Vázquez Montalbán , bevor Sie mit den Dreharbeiten zu ICH MACHTE EINEN MANN AUS IHM begannen?

Nein, ich hatte Montalbán nicht gelesen, was wahrscheinlich besser war, so hatte ich keine vorgefaßte Meinung. Alles ging so schnell, daß ich seine Welt erst später entdeckt habe.

Was hat Sie an diesem Projekt gereizt?

Ich war überrascht, als Jérôme Minet, der französische Produzent, mich darauf ansprach, weil ich mir eigentlich nichts aus Krimis mache. Wenn ich schon das Wort Revolver lese, breche ich zusammen. Aber das Drehbuch von Gérard Carré fand ich auf Anhieb interessant und witzig. Was mich letztendlich dazu bewogen hat zu akzeptieren, war die Möglichkeit, etwas anderes auszuprobieren, etwas, das für mich ungewöhnlich ist, und aus diesem Befremden etwas zu lernen. Und natürlich die Aussicht darauf, in Spanien und mit ausländischen Schauspielern zu arbeiten.

Sie sind auch Drehbuchautorin. Haben Sie am Drehbuch mitgewirkt?

Gérard und ich haben die erste Version, die etwas zu ausführlich war, gekürzt. Im Endergebnis ist die Geschichte komplex, mit drei Handlungssträngen und vielen Figuren. Ich habe gerne mit Gérard zusammengearbeitet, denn er schreibt, wie ich nie schreiben könnte. Serge Merlin und Bernadette Lafont haben ebenfalls am Buch mitgewirkt. Serge hat zahlreiche politische Aspekte zu seiner Figur miteingebracht, die seine Figur betreffen und die, wie ich finde, ganz im Sinne von Montalbán sind.

ICH MACHTE EINEN MANN AUS IHM gehört zu einer Serie von sechs Filmen gedreht von sechs unterschiedlichen Regisseuren, bei denen die Hauptpersonen jedoch immer die gleichen bleiben. Wie hat das den Film beeinflußt?

Eine Produktionsreihe von sechs Filmen, in der gleichen Stadt mit den gleichen Figuren gedreht, stellt den Regisseur vor eine Herausforderung. Da die Hauptrollen bereits vergeben sind, bleibt einem nur Freiraum in der Wahl der Nebenrollen. Zudem müssen die Hauptdarsteller über sechs Filme eine Figur darstellen. Daher nehmen sie eine Art zu schauspielern an, die eine Kontinuität in dem Wesen der Figur über sechs Filme garantiert. Aber sie müssen sich auch an Regisseure gewöhnen, die unterschiedliche Akzente setzen. Das ist für alle ein hochgestecktes Ziel.

Einige Figuren sind in einem gewissen Sinne unantastbar. Welche Figuren haben Sie auf Ihre Art und Weise neu gestaltet?

Zum Beispiel die Figur des Arquimedes, des Chefs der Unterwelt von Barcelona. Ich wollte nicht, daß er wie ein harter Kerl, wie ein Angeber aussieht. Yann Colette hat aus ihm einen sanften Mann gemacht, der viel redet, der gläubig und feinfühlig ist, auch wenn er von Grund auf bösartig ist. Ich wollte auch nicht, daß man die Bösartigkeit seiner Gorillas auf den ersten Blick in ihren Gesichtern erkennen kann. Die Grausamkeit wird einem eher durch die Darstellung ihrer Foltermethoden vermittelt, die im Franco-Regime so typisch waren. Ich habe versucht, nicht allzu sehr die Klischees zu benutzen.

Sie haben zum ersten Mal im Ausland gearbeitet, mit ausländischen Schauspielern. Was bringt das mit sich?

Von diesem Blickwinkel aus gesehen, waren die Dreharbeiten wirklich kompliziert. Auf dem Set wurden nicht weniger als vier Sprachen gesprochen: Spanisch, Katalanisch, Italienisch und Französisch! Das Gefühl für den richtigen Tonfall ist in jeder Sprache anders, dem Regisseur entgehen die Nuancen manchmal. Er muß in höherem Maße dem Schauspieler vertrauen. Es ist eine ganz andere Herangehensweise, von der man aber sehr viel lernen kann.


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