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Frauen
spielten im Leben von Rainer Werner Fassbinder eine
große Rolle. Mit viel Einfühlungsvermögen
schrieb und inszenierte er für sie Theater- und
Kinorollen, die aus der deutschen Filmgeschichte nicht
mehr wegzudenken sind. Eine ganze Generation von Schauspielerinnen,
Cutterinnen und Kostümbildnerinnen ist mit den
Filmen von Fassbinder groß geworden und hat
den Neuen Deutschen Film geprägt. Hanna Schygulla,
Ingrid Caven, Irm Hermann, Margit Carstensen und Barbara
Sukowa sind durch seine Filme zu internationalen Stars
geworden. Bereits etablierten Schauspielerinnen wie
Brigitte Mira verhalf Fassbinder mit seinen Filmen
zu spätem Ruhm.
Rosa von Praunheim und Fassbinder begannen etwa zur
selben Zeit, Filme zu machen. Nachdem beide zunächst
in den 60er Jahren von der Filmhochschule Berlin abgelehnt
worden waren, machten sie bald darauf Karriere als
Filmregisseure - jeder auf seine ganz eigene Art.
Wenn
sich Rosa von Praunheim mit Fassbinder beschäftigt,
dann tut er das als Zeitgenosse und Konkurrent. Im
Mittelpunkt stehen dabei Fassbinders weibliche Stars
von Hanna Schygulla bis Jeanne Moreau. Irm Hermann,
die Fassbinder von Anfang an begleitete und in 19
seiner Filme spielte, kommt eine besondere Rolle zu.
Ebenso besucht Rosa von Praunheim Ursula Strätz,
die in München das Action-Theater gründete,
in dem Fassbinder zum ersten Mal auf der Bühne
stand. Praunheim spricht mit der Wirtin von Fassbinders
Münchner Stammkneipe, mit seiner Produzentin
Regina Ziegler und seiner Cutterin und Nachlassverwalterin
Juliane Lorenz, um der Persönlichkeit und Arbeitsweise
Fassbinders nachzuspüren. Der Schauspieler Harry
Baer, den Rosa von Praunheim als ,,weiblichen Mann"
bezeichnet, kommt ebenso vor wie Fassbinders Kameramann
Michael Ballhaus.
Statt
nüchterner und eitler Stellungnahmen bestimmen
Träume, Wünsche, Erwartungen und Enttäuschungen
die Erinnerungen an Fassbinder. Wie in vielen seiner
Filme entlarvt Praunheims dokumentarischer Blick das
Klischee und ermöglicht es so, das ,,Phänomen
Fassbinder" auf neue Art zu sehen.
Rosa
von Praunheim wurde 1942 in Riga als Holger Mischwitzky
geboren. Mitte der 60er Jahre studierte er an der
Hochschule für Bildende Künste in Westberlin.
Seit 30 Jahren kämpft er für die öffentliche
Emanzipation der Homosexuellen. Seit seinem halbdokumentarischen
Fernsehfilm NICHT DER HOMOSEXUELLE IST PERVERS, SONDERN
DIE SITUATION, IN DER ER LEBT (1970), ist er einer
breiteren Öffentlichkeit bekannt. Mit dem Film
und den damit verbundenen Auseinandersetzungen hat
Rosa von Praunheim dazu beigetragen, die gesellschaftlichen
Probleme der Homosexuellen einem breiteren Publikum
nahe zu bringen. Seit den 80er Jahren ist er Vorreiter
der Aids-Aufklärung. Praunheim stellt in seinen
Filmen stets Minderheiten oder exzentrische Figuren
in den Mittelpunkt.
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