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um 23.45 Uhr, 45 Min. |
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Avec:
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Synopsis
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Zensur des Films Mit ANDERS ALS DIE ANDERN hat Richard Oswald den ersten Homosexuellen-Film der Filmgeschichte geschaffen. Der Film wurde am 18.8.1920 verboten „mit der Maßgabe, dass die Vorführung zugelassen wird vor bestimmten Personenkreisen, nämlich Ärzten und Medizinalbeflissenen, in Lehranstalten und wissenschaftlichen Instituten". Solche Vorführungen fanden auch tatsächlich im Berliner Institut für Sexualforschung von Magnus Hirschfeld statt. Dass sich von Oswalds Film überhaupt Material erhalten hat, ist einem anderen Film zu verdanken: Magnus Hirschfeld drehte 1927 einen Dokumentarfilm, GESETZE DER LIEBE, und schnitt für die Schlussepisode eine Kurzfassung VON ANDERS ALS DIE ANDERN; zwar verlangte abermals die Zensur, genau diese Episode zu entfernen; doch hat die Passage in einer ukrainischen Exportkopie die Zensur überlebt und gibt nun, mit einem Viertel der Länge der ursprünglichen Fassung, zumindest einen Eindruck von Richard Oswalds Aufklärungs-Film, der auf einzigartige Weise künstlerische Qualität und sozialpolitisches Engagement verbindet. Ein Genre unter Zensur: die Sitten- oder Aufklärungsfilme im Deutschland der Stummfilmzeit Mit ANDERS ALS DIE ANDERN und DER EWIGE ZWEIFEL stellt ARTE zum ersten Mal im Fernsehen einen Regisseur vor, der zu seiner Zeit sehr populär und in vielen Bereichen bewandert war, Filmproduzent und Künstler in einer Person. Mit einem sicheren Instinkt für publikumswirksame Stoffe, aber auch großer Seriosität, drehte Richard Oswald als Pionier (siehe auch DER EWIGE ZWEIFEL S. 27) sogenannte Aufklärungsfilme: Keine nüchternen Lehrfilme, sondern Sexualaufklärung eingebettet in eine spannende Geschichte. Von 1916 bis 1921 entstanden u.a. ES WERDE LICHT (Teil 1-4), TAGEBUCH EINER VERLORENEN, ANDERS ALS DIE ANDERN, DIE PROSTITUTION, DIE SICH VERKAUFEN und SÜNDIGE MÜTTER. Bei jedem dieser Sittenfilme holte sich Oswald kompetente Beratung, u.a. von Magnus Hirschfeld, der ebenfalls Pionierleistungen auf dem Gebiet der Sexualaufklärung leistete. Nachdem schon während des Ersten Weltkriegs Geschlechtskrankheiten ein sozialpolitisch brisantes Thema geworden waren, entstand ein großer Aufklärungsbedarf, dem verschiedene Kulturfilmer nachzukommen versuchten. Als nach dem Krieg vorübergehend die Filmzensur aufgehoben war, sprossen in der Nachfolge von Oswalds erfolgreichen Aufklärungsfilme jede Menge anderer Sittenfilme aus dem Boden, die durch die Verheißung lasziver Titel auf schnellen kommerziellen Erfolg aus waren: DAS PARADIES DER DIRNEN, SKLAVEN DER LIEBE oder DER RUF DER SÜNDE. Oswald wurde von der zeitgenössischen Kritik für diese Flut pseudo-aufklärerischer Sittenfilme immer wieder verantwortlich gemacht, obwohl seine Filme künstlerisch weit über dem Niveau dieser Filme lagen und er von Seiten progressiver Mediziner nachhaltige Unterstützung erfuhr. Zur
gezeigten Fassung: Rekonstruktion im Münchner Filmmuseum Das Münchner Filmmuseum machte sich mit Hilfe von schriftlichem Sekundärmaterial, wie der erhalten gebliebenen Zensurkarte und Protokolle von Verhandlungen der Film-Oberprüfstelle, an eine Rekonstruktion; dabei wurden die ukrainischen Zwischentitel gegen die deutschen ausgetauscht und leichte Korrekturen im Szenenablauf vorgenommen. Damit ist die Episode in Magnus Hirschfelds Film wiederhergestellt. Die Originalfassung war in ihrer Mischung aus inzenierten und semidokumentarischen Elementen weit komplexer; zentral ist ein Vortrag von Magnus Hirschfeld, dem Paul Körner beiwohnt, und der in einem alle Konventionen sprengenden Text von zwei Minuten Lese-Länge wiedergegeben wurde. Da sich alle Texte der Originalfassung erhalten haben, wäre es möglich, eine Studienfassung zu erstellen, die mit erklärenden Zwischentiteln und Photos die komplexe Erzählstruktur des Films nachzeichnet und seine aufklärerische Intention vermittelt: „Im Mittelpunkt steht der Vortrag. Um ihn herum rankt sich eine schlichte Lebensgeschichte..." beschrieb Oswald sein ‚sozial-hygienisches Filmwerk'. Zur
neuen Musik Bernd
Schultheis, der junge Komponist, der schon für Stummfilme von René Clair
und Michael Kestesz Musiken komponierte, schrieb zu dieser Studie eines
Lebens in sozialer Diskriminierung eine Musik, die äußerst subtil Gefühlszustände
artikuliert und die in ihrer Modernität das zeitkritische Engagement von
Richard Oswald unterstreicht. Geschrieben für eine Trio-Besetzung
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Montag,
10. Februar 2000
um 23.45 Uhr |
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