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"METROPOLIS" : DIE JUNGEN KÜNSTLER AUS BEIJING
Sendung vom Samstag, den 14. September 2002
Redaktion: DMfilm

Beijings old alleys and young artists
Autorin: Sascha Schmitz

Ein trauriges Lied für Pekings alte Gassen: traditionelle chinesische Oper, unkonventionell vorgetragen in den Hutongs, den alten Vierteln der Hauptstadt Peking. Seit der Ming-Dynastie spielt sich hier das Leben des einfachen Volkes ab, auf der Straße, unter Nachbarn. Geheizt wird noch mit Kohle und durch viele Gassen passen nur Fahrräder, keine Autos. Zu sehr "von gestern" für das moderne Peking. Von 15 Millionen Menschen in der Stadt fahren immer mehr ein eigenes Auto. Bis zu den Olympischen Spielen 2008 will Peking eine der modernsten Metropolen Asiens werden. Da stören die kleinen, verwinkelten Gassen der Altstadt. Es wird abgerissen - für Hochhäuser und Autostraßen.

Video Ausschnitt : Kabel / Modem

ZHANG DALI








Video Ausschnitt : Kabel / Modem

Die Ruinen machen den Aktionskünstler Zhang Dali krank. Graffiti gegen den Abriß der Altstadt. Seit 10 Jahren kämpft er gegen die Bulldozer - mit seinem Gesicht. Als schwarze Linie auf allem, was noch nicht zerstört ist. Er war Sprayer, als es in China noch gar kein Wort für Graffiti gab. Sein Künstlername ist AK 47, nach dem russischen Maschinengewehr. Seine Werke schlagen in Pekings Strassenzüge ein wie eine Kalaschnikov.
Die Pekinger Regierung hat ihre eigene, brutale Graffiti-Sprache "Chai" heisst "Abreißen". Auf ein Haus gepinselt, bleiben den Bewohnern meist nur zwei Wochen Zeit für den Auszug. Die Menschen, die den Job haben, das Alte zu zerstören, sind Wanderarbeiter. Zu 100tausenden strömen sie in die Städte. Zhang Dalis neuestes Projekt widmet sich genau diesen Menschen. Er hat Abdrücke von ihren Köpfen genommen - eine andere Art, sich mit dem Wandel der Stadt auseinanderzusetzen.




SONG DONG UND SEINE FRAU YIN XIUZHEN



Video Ausschnitt : Kabel / Modem

Der Video- und Installations-Künstler Song Dong und seine Frau Yin Xiuzhen wohnen und arbeiten zusammen in dem Haus seiner Eltern. Im Leben wie in der Kunst beziehen die beiden ihre Familie mit ein. Gerade bereiten sie eine gemeinsame Ausstellung in New York vor. Mutter, Tante und Oma helfen mit. So entstehen in einem alten Pekinger Hofhaus die international renommierten Werke des Künstlerpaares - in Heimarbeit.

Die kreative Nische in Pekings Altstadt ist jedoch nicht auf ewig sicher. Viele Arbeiten kreisen genau um dieses Thema. Sichtbarkeit, Dasein, Verschwinden, Verwandlung. Die Installation Pekingoper war im letzten Jahr in Berlin zu sehen. Eine Straßenszene aus der Pekinger Altstadt, als Fototapete. Dazu die Original-Geräuschkulisse. Yin Xiuzhen hat ihr Kunstwerk in einem Viertel nördlich der Verbotenen Stadt fotografiert und aufgezeichnet. Sie liebt die Orte in Peking, wo die Stadt langsam wird, wo ihre Bewohner Zeit haben und das Leben geniessen. Yin Xiuzhen schafft aus ihren Eindrücken poetische Souvenirs, Zeugnisse der Gegenwart - eine Gedächtnisarbeit für die Zukunft.

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