
Die ARTE-Dokumentationsreihe "Brücken dieser Erde" stellt acht Brücken vor, die ästhetische Bauwerke und technologisch wegweisende Konstruktionen sind: Den Garabit-Viadukt in Frankreich, die dänische Brücke über den Großen Belt, die Rialto-Brücke in Venedig, die Alamillo-Brücke in Sevilla, die Kettenbrücke in Budapest, die Schweizer Ganterbrücke, die kanadische Québec-Brücke und die Göltzschtalbrücke.
(Nähere Informationen zu den einzelnen Brücken bis zum 19.04. in den Rubriken rechts unten).
Zusätzlich wird am 15. März um 14 Uhr (im digitalen Nachmittagsprogramm) das Magazin ARTE Europa mit dem Thema "Brücken und Verbindungen" ausgestrahlt. Genauere Informationen zu dieser Sendung entnehmen Sie der Rubrik "ARTE Europa" in der nebenstehenden Navigation unten rechts.
 Gastautor Dr. Dr. Bernhard Graf ist Buchautor (u.a. „Brücken, die die Welt verbinden“, Prestel-Verlag), Filmemacher des Bayerischen Rundfunks sowie Dozent an den Universitäten München und Darmstadt.
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Brücken, die die Welt verbinden „Und unser Stolz ist unsre Brück’; Ich lache, denk’ ich an früher zurück, An all den Jammer und all die Not Mit dem elend alten Schifferboot; Wie manche liebe Christfestnacht Hab’ ich im Fährhaus zugebracht Und sah unsrer Fenster lichten Schein Und zählte und konnte nicht drüben sein.“ Theodor Fontane: Die Brück’ am Tay, 1880
Wie groß war zu jeder Zeit die Freude, wenn eine stets passierbare Brücke den gefährlichen Fährbetrieb ersetzte. Diese Erleichterung teilten ab 1877 auch die Brücknerleute an der Tay-Bucht. Dass sich die Technikbegeisterung bisweilen in Entsetzen und Angst verwandeln konnte, davon erzählt uns Theodor Fontane (1819-98). In seinem Gedicht „Die Brück’ am Tay“ bezog er sich auf die Nacht vom 28. zum 29. Dezember 1879. Damals brach bei heftigem Sturm während einer Zugüberfahrt die Eisenbahnbrücke über den schottischen Firth of Tay zusammen. 200 Menschen ertranken. Unsere Vorfahren kämpften seit jeher, Flüsse, Ströme, ja sogar Meeresarme zwischen den Kontinenten zu überwinden. Schon Herodot (um 485-425 v. Chr.) weiß zu berichten, wie die persischen Großkönige Dareios I. und Xerxes I. mit Schiffsbrücken eine Verbindung zwischen Asien und Europa herstellten. Nach der Überschreitung des Bosporus und der Dardanellen sollten die Spartaner und Athener endgültig geschlagen werden. Auch in den spätantiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen Heereszügen konnten der Bau, die Überquerung und die Zerstörung von Brücken den Kriegsverlauf und die historische Entwicklung grundlegend verändern. Man erinnere sich an Kaiser Konstantin, der seinen Gegner Maxentius an der Milvischen Brücke (312 n. Chr.) besiegte und dem Christentum zum Durchbruch verhalf, an Kaiser Napoleon I., der die Steinerne Brücke in Regensburg eroberte (1809), um das österreichische Heer bei Aspern und Wagram in die Knie zu zwingen oder an die heftig umkämpften Flussübergänge von Arnheim und Remagen (1945) im Zweiten Weltkrieg. Hingegen verrät die Alltags- und Handelsgeschichte, wieviele Pilger und Kaufleute sich aus aller Herren Länder auf den Brücken trafen und dort – wie im spanischen Puente la Reina – Zölle zu entrichten hatten, wieviele Wegelagerer, Gesindel und Meuchelmörder hier ihr Unwesen trieben. Manche konnten nur schweren Herzens, voller Angst und Bangen über einen Fluss setzen.
Selbst dem Frauenheld Giovanni Giacomo Casanova blieb dies nicht erspart, als er 1755 die Seufzerbrücke entlang schlich – befürchtend, in den Bleikammern des venezianischen Gefängnisses umzukommen. Vielfältig gestaltete sich der Alltag der Brückenbaumeister: Der Osmane Mimar Hajrudin schaufelte 1566 sein eigenes Grab, da er glaubte, seine kühne Konstruktion in Mostar würde nicht halten und Sultan Süleyman I. Kanuni würde ihm ohnehin den Kopf abschlagen lassen. Andrea Palladio hingegen verwünschte Venedig, nahm den Namen der Lagunenstadt nicht mehr in den Mund, da er – der überaus geschätzte Architekt – nicht mit der Realisierung der neuen Rialto-Brücke betraut wurde. Wie glücklich konnte er sich dennoch schätzen: So mancher seiner Kollegen musste sein Vorhaben mit dem Leben bezahlen, wie der deutsche Ingenieur Johann August Roebling, der beim Vermessen der New Yorker Brooklyn-Brücke 1869 von zwei Fähren zerquetscht wurde. Wie sehr konnte sich dagegen Louis-Jean Résal freuen, als seine Brücke zu Ehren des Zaren Alexander III. anlässlich der Pariser Weltausstellung (1900) als politisches Manifest des Bündnisses zwischen Frankreich und Russland mit Musik und Pomp präsentiert wurde. Stets war das Misstrauen der Auftraggeber groß, ob die Konstruktion halten, ob sich das Bauwerk in die Umgebung ästhetisch einfügen würde.
Selbst Leonardo da Vinci scheiterte 1502 am Widerstand Sultan Bejazids II. Wali, der seinen Entwurf für die Verbindung von Konstantinopel und Pera als undurchführbar ablehnte. Erst 2001 sollte sich Leonardos Genialität durch die Umsetzung seines Plans am Beispiel der Fußgängerbrücke in Ås bei Oslo zeigen. Auch Santiago Calatrava, der bedeutendste Brückenbauer der Gegenwart, wurde von Experten abgekanzelt und belächelt, als er für die Expo ’92 seinen ungewöhnlichen, asymmetrischen Entwurf für die Alamillo-Brücke in Sevilla veröffentlichte. Zurecht formulierte er: „Der Brückenbau ist effizienter als jede andere Form von Architektur, da sie jedermann zugänglich ist. Eine Brücke ist auch für Menschen offen, die sich nicht für Kunst interessieren. Eine einzige Geste verwandelt die Natur und gibt ihr eine Ordnung.“
Häufig konnte erst die Nachwelt, frei von Missgunst und Konkurrenzdenken, die Schönheit und technische Leistung würdigen. Manche Brücken konnten erst berühmt werden, weil sie von Künstlern gemalt, von Dichtern gepriesen, von Musikern besungen, von Regisseuren gefilmt wurden. Wer kennt nicht Vincent van Goghs Gemälde „Die Brücke von Langlois in Arles“ (1888) oder das französische Volkslied „Sur le pont d’Avignon“, David Leans Spielfilm „Die Brücke am Kwai“ (1957) oder „Die Liebenden von Pont Neuf“ (1991).
Auch zukünftig wird sich das Wettrennen im Brückenbau fortsetzen: das weltweite Ringen um die längste Überspannung, die technisch herausragendste Konstruktion, das außergewöhnlichste Design. In jeder Hinsicht sollen die beiden Rekordhalter, die dänische Ost-Brücke über den Großen Belt und die japanische Akashi-Kaikyo-Brücke, übertroffen werden: mit der Überbrückung der Meeresstraßen von Messina und Gibraltar, mit der Verbindung aller Kontinente – so der Plan des amerikanisch-chinesischen Ingenieurs Tung-Yen Lin.
ARTE-Dokumentationsreihe „Brücken dieser Erde“
• Der Garabit-Viadukt – St. Flour, Frankreich am Samstag · 1. März • Die Brücke über den Großen Belt – Dänemark am Samstag · 8. März • Die Rialto-Brücke – Venedig, Italien am Samstag · 15. März • Die Alamillo-Brücke – Sevilla, Spanien am Samstag · 22. März • Die Kettenbrücke in Budapest – Ungarn am Samstag · 29. März • Die Ganterbrücke – Wallis, Schweiz am Samstag · 5. April • Die Québec-Brücke – Kanada am Sam
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