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Ein zerrissenes Land : der Tschad

Nachdem der Tschad am 11. August 1960 unabhängig geworden war, kam eine Diktatur an die Macht, was ab 1963 zu Bauernaufständen führte. Der zum Staatschef ernannte François Tombalbaye ging mit äußerster Härte gegen die Moslems im Norden des Landes vor, die am meisten unter seiner Politik zu leiden hatten.

Der bewaffnete Aufstand brach 1965 aus, und im Anschluss an die Gründung der Frolinat („Front de Libération national du Tchad“ – Nationale Befreiungsfront des Tschad) 1966 breitete sich eine umfassende Widerstandsbewegung aus. Trotz der französischen Militärhilfe und der Zerstrittenheit der Rebellen (besonders verfeindet waren die Anhänger von Goukouni Oueddeï und die von Hissène Habré), gelang es Tombalbaye nicht, sie zu besiegen.

1972 bat er Khaddafi um Unterstützung und bot ihm im Gegenzug den Aozou-Streifen. Der libysche Diktator hielt seine Zusagen jedoch nicht ein und besetzte kurzerhand das an Uran- und Manganvorkommen reiche Gebiet. 1973 versuchte Tombalbaye, die staatliche Einheit des Tschad wieder herzustellen. Er wurde jedoch durch einen Militärputsch gestürzt und 1975 ermordet.

Drei Jahre später wurde der ehemalige Rebellenführer Hissène Habré Premierminister. Doch die neuen Führer blieben untereinander zerstritten, und der Bürgerkrieg nahm 1979 an Intensität zu. Mit dem Eingreifen Frankreichs und den Vermittlungsbemühungen Libyens und Nigerias bekam der Konflikt einen internationalen Aspekt. Nach der gescheiterten Bildung einer Regierung der nationalen Einheit unter der Führung von Goukouni Oueddeï und mit der Unterstützung Libyens wuchs sich der Bürgerkrieg in einen offenen Krieg zwischen den Anhängern Goukouni Oueddeïs und Hissène Habrés aus. 1982 nahmen die Truppen Habrés die Hauptstadt N'Djamena ein, und er wurde Präsident.

Obwohl er bei dem Versuch, den Norden zurückzuerobern, von Frankreich unterstützt wurde, musste er allein gegen neue libysche Angriffe kämpfen. 1990 überrollte der Libyen-freundliche Rebellenführer Idriss Déby mit seiner Bewegung „Mouvement patriotique du Salut“ (Patriotische Heilsbewegung) das Land und übernahm die Macht. 1993 wurde auf einer „Nationalen Versöhnungskonferenz“ beschlossen, die Demokratie und ein Mehrparteiensystem einzuführen, doch Déby verzögerte die Wahlen.

1994 sprach der Internationale Gerichtshof den Aozou-Streifen dem Tschad zu. Zwei Jahre später verkündete Idriss Déby eine nationale Charta, die Meinungsfreiheit, Mehrparteiensystem und eine neue Verfassung versprach, und veranstaltete schließlich Präsidentschaftswahlen, aus denen er als Sieger hervorging. Noch immer gehört der Tschad zu den ärmsten Ländern der Welt. Im Frühjahr 2001 brach im muslimischen Norden ein neuer Aufstand aus.

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