![]() Il Cuore Altrore (Le cœur ailleurs) von Pupi Avati
Synopsis: Nello, der Sohn des Schneiders im Vatikan, zieht nach Bologna, um eine Stelle als Lateinlehrer anzutreten. Dort mietet sich der sensible, schüchterne Junggeselle in einer Männerpension ein. Bei einem Besuch in einem Blindenheim verliebt er sich in Angela, eine wunderschöne und verführerische junge Frau, die dem Großbürgertum entstammt. Sie ist nach einem Unfall erblindet und benutzt Nello, um ihren ehemaligen Verlobten eifersüchtig zu machen. Kritik: „Il Cuore Altrove" ist die Chronik einer aussichtslosen Liebe. Regisseur Pupi Avati arbeitet dabei gezielt mit Kontrasten, angefangen bei den Bildern selbst: Der strahlende Sonnenschein taucht jede Szene in ein goldenes, gleißendes Licht; dem gegenüber steht der Schatten, der das Herz des verliebten Träumers Nello nach und nach zerfrisst. Avati spielt auch mit dem Wechsel zwischen den Genres. So handelt der Film zwar vom Gefühlsdrama in Nellos Leben, doch manifestiert sich in den Verwechslungen und Schlagfertigkeiten auch eine gewisse Komik. Entstanden ist eine im stilisierten Italien der 20er-Jahre angesiedelte Satire über die latenten Konflikte zwischen den gesellschaftlichen Schichten und gleichzeitig ein bewegendes Märchen von einem Mann, der in seinem tiefsten Inneren immer ein Kind geblieben ist. Die Rolle ist mit Neri Marcoré, der genau die richtige Mitte zwischen Präsenz und Zurückhaltung findet, ideal besetzt. Nello zieht sich bewusst von seiner Umwelt zurück, was seine unglückliche Liebe noch grausamer macht. Trotz oder auch aufgrund seiner Bildung, seiner geliebten lateinischen Schriftsteller, die er immer wieder aufs Neue liest, entwickelt Nello keinen Realitätsbezug: Die Täuschungen seiner geliebten Angela, die kleinen Niederträchtigkeiten der menschlichen Existenz nimmt er nicht wahr. Er gibt sich dieser aussichtslosen Liebe mit der Leidenschaft eines Priesters hin, der seine Berufung nicht ausleben kann. Das Ende des Films ist traurig, aber nicht melodramatisch. Trotz seiner Längen erinnert „Il Cuore Altrove" an das Werk Giuseppe Tornatores, an dessen bedingungslose Emotionalität, die lebendige Sprache und die leicht nostalgische, aber dennoch heitere Betrachtungsweise des Lebens. Delphine Valloire |
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