USA 2003, 148 Min. Von Andy & Larry Wachowski Mit Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie-Anne Moss, Hugo Weaving, Jada Pinkett-Smith, Monica Bellucci
Synopsis: Neo (Keanu Reeves), Trinity (Carrie-Anne Moss) und Morpheus (Laurence Fishburne) wollen Zion - den letzten Zufluchtsort der Menschen - vor 250.000 tentakelartigen Maschinen, den Wächtern, retten. Doch die Zeit ist sehr knapp ...
Kritik: Nachdem MATRIX (1999) wie eine Bombe eingeschlagen hat, und weltweit 460 Millionen Dollar einspielte, versuchten die Wachowski-Brüder im zweiten Teil ihrer dreiteiligen Saga sich selbst noch einmal zu übertreffen. Die Story des ersten Teils war mysteriös und geheimnisvoll, sie verwob reale und irreale Welten so geschickt miteinander, dass sich die Zuschauer völlig gebannt im Albtraumuniversum der Wachowskis bewegten, und ständig aufs Neue überrascht wurden. Aber dieses umwerfende Gefühl des 1. Males ist auch in diesem Fall nicht wiederholbar. Deshalb konzentrierten sich die Brüder vor allem auf die zahlreichen Special Effects, mit denen sie das Actionfilmgenre nun bereits zum zweiten Mal neu definieren. Dutzende von Computerspezialisten entwickelten monatelang neue Programme, um die Visionen von Andy und Larry dreidimensional werden zu lassen. Jedes der beiden Sequels - MATRIX RELOADED und MATRIX REVOLUTIONS - kostete über 300 Mio. Dollar. Das mit MATRIX RELOADED zeitgleich auf den Markt kommende Videospiel ENTER THE MATRIX und die Anfang Juni erscheinende DVD ANIMATRIX - die neun animierte Kurzfilme, die alle im Matrixuniversum angesiedelt sind, umfasst - sorgen für den größtmöglichen medialen Synergieeffekt. Der Supercoup der Wachowskibrüder.
Überzeugte MATRIX durch seine gelungene Mischung aus gutem Storytelling, Action-, Computer- und Visual Effects, so beeindruckt MATRIX RELOADED vor allem durch seine ausgefeilten Actionszenen. So kämpft Neo etwa gegen Hunderte von Agent Smith-Klonen, die er durch seine schnellen Bewegungen und Tritte in die Luft fliegen lässt. Als es zu viele werden, und sie sich alle gleichzeitig auf ihn stürzen, entzieht er sich ihnen, indem er mit rasender Geschwindigkeit in den Himmel fliegt. Überhaupt: Jetzt kann Neo fliegen, und das macht ihm sichtlich Spaß. Mit mehr als 3000 Stundenkilometern jagt er durch die Stadt in der Matrix, die drei mal so groß wie New York. Carrie-Anne Moss vollbringt als Trinity ebenfalls extreme Stunt-Leistungen, für die sie monatelang trainiert hat. Auf einem Motorrad rettet sie etwa den scheuen Schlüsselmacher, indem sie gegen die Fahrtrichtung mit wenigen Zentimetern Abstand an anderen Autos vorbeirast.
Der Schlüsselmacher gehört zu einer der neuen Figuren des Sequels. Mit ihm tauchen die mörderische Albino-Zwillinge auf, die völlig weiß gekleidet sind, und blonde Rastalocken haben. Sie können sich unsichtbar machen, und so den Feind überraschen. Die attraktive Persephone (Monica Bellucci) führt Neo in Versuchung. Sie will ihm nur helfen, den Schlüsselmacher zu finden, wenn er ihr einen leidenschaftlichen Kuss gibt. Neo ist nun innerlich gereift, er hat die Verantwortung ganz übernommen, der Auserwählte zu sein. Nur in einem Punkt, der auch Trinity betrifft, ist er verletzlicher geworden: die beiden sind nun ein Liebespaar, und für sie riskiert er sein eigenes Leben. Das macht die Story aber nicht unbedingt besser, obwohl alle Schauspieler hervorragend agieren. MATRIX RELOADED endet mit einem echten Cliffhanger, der erst Anfang November - wenn Teil drei ins Kino kommt – seine Fortsetzung findet. Ein kleiner Tip für alle großen Fans: Am Ende des fast zehnminütigen Abspanns gibt es als Vorgeschmack einen Trailer von Matrix REVOLUTION.
Nana A.T. Rebhan
Synopsis: Der Freiheitskämpfer Neo setzt mit den Gefährten Trinity und Morpheus seinen Kampf gegen die Maschinenarmee der Matrix fort, um die Stadt Zion vor dem Untergang zu retten. Als Erwählter muss er den Schlüsselmacher finden, um zur Quelle zu gelangen und die Prophezeiung des Orakels wahr zu machen.
Kritik: Wie weit wollen die Wachowski-Brüder ihren visuellen Overkill noch treiben? Diese Frage stellt sich jetzt erneut, vier Jahre nach dem ersten Opus und dem durch unglaubliche Zwischenfälle bei den Dreharbeiten ewig lange hinausgezögerten Kinostart dieses Sequels von „Matrix“. In „Matrix Reloaded“ versucht sich das brüderliche Regisseurduo an einem utopischen Balanceakt zwischen nebulösen Dialogen, die um obskure existenzielle Fragen kreisen und meisterlich inszenierten Kampfszenen des virtuosen Choreografen Yuen Wo Ping, der bereits durch seine Arbeit für den Film „Tigre et Dragon“ auf sich aufmerksam gemacht hatte. Wie man eine solche Mischung perfekt abstimmt, hatte dereinst George Lucas mit dem ersten Teil seiner Starwars-Trilogie bereits vorgemacht. In Matrix Reloaded ist aus dieser durch ein undurchsichtiges Intrigenspiel noch extrem verkomplizierten Mixtur eher ein anstrengendes Verwirrspiel als ein (ent)spannender Unterhaltungsfilm geworden.
„Matrix“ erhebt für sich vor allem den Anspruch, im Unterschied zu den Blockbuster-Produkten der Konkurrenz ähnlich wie „Blade Runner“ Fragen nach den Fehlentwicklungen unserer modernen Zeit aufzuwerfen oder, wie es in der Pressemappe heißt, „die ineinander verwobenen Fragestellungen von Philosophie, Mythologie, Religion und Mathematik“! Im Mittelpunkt der Story steht die Frage nach der richtigen Wahl. Was die Wahl der Wachowski-Brüder zwischen visueller Power und philosophischem Tiefgang angeht, so haben sie diese eindeutig getroffen. Daran lassen die Spezialeffekte – so innovativ sie auch sein mögen – keinerlei Zweifel. Die schwindelerregenden Action-Sequenzen sind derart langatmig und überkandidelt, dass sie einem als Zuschauer schon körperlich unangenehm werden können.
Der Held hat eine Reihe von Abenteuern zu bestehen, deren Abfolge nach der Prophezeiung des Orakels vorgegeben ist, um schließlich zum Allerheiligsten zu gelangen – der Quelle: einem Raum mit Bilderwänden, in dem Neo auf den Architekten trifft, den Erschaffer des Systems, will heißen, der Welt. Entweder erleben wir in den Actionszenen den Helden ganz nach dem Prinzip eines Videospiels zuerst im Kampf gegen ein oder zwei Gegner, bis er plötzlich einer ganzen Schar von Feinden gegenübersteht, die wie aus dem Nichts auftauchen. Oder – eine andere Variante – er muss sich in einer immer feindlicher werdenden Umgebung seiner Widersacher erwehren: Zuerst auf einer Autobahn, dann in Gegenrichtung zum Verkehr, dann auf einem in voller Fahrt unter Brücken hindurchpreschenden LKW usw. Die ebenfalls reißerische Kameraführung schwelgt in Großeinstellungen mit angeschnittenen Frontalaufnahmen der Gesichter und mit organischen Raumfahrzeugen gespickten, düster-babylonischen Szenerien, die leider mehr an „Star Trek“ als an „Alien“ erinnern. Trotz alledem kann man einige humorvolle Passagen und die eine oder andere Liebesszene durchaus als recht gelungen bezeichnen.
Was „Matrix Reloaded“ vor allem zeigt – neben den technologischen und virtuellen Neuerungen, die sicherlich ihre Wirkung auf die Filmindustrie haben werden - ist, in welchem Maße sich die Erwartungen der neuen Generation von Kinogängern verändert haben, was das Sehen und Verstehen von Bildern angeht. Es ist gut möglich, dass die Wachowski-Brüder mit ihrem Film die Grundlage einer neuen, perfektionierten Bildsprache geschaffen haben, deren Regeln nicht mehr auf den Griffithschen Prinzipien von Reflektion und Narration beruhen, sondern auf subjektivem Empfinden und purer Geschwindigkeit. Aber was gilt schon der Prophet im eigenen Land?