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Adios, Compay!

Máximo Francisco Repilado Muñoz wird am 18. November 1907 in Siboney, einem etwa zwanzig Kilometer von Santiago entfernten Küstendorf im Osten der Insel Kuba geboren. Als der Vater gegen Ende des Ersten Weltkrieges seine Arbeit als Lokomotivführer bei der örtlichen Minengesellschaft verliert, siedelt die Familie nach Santiago um und zieht in die Nähe der Casa de la Trova.

In dieser Zeit bekommt er durch die trovadores direkten Zugang zur Musik. Mit Hilfe einer Nachbarin erhält er im Alter von vierzehn Jahren Unterricht in Musiktheorie und spielt mit seinen Brüdern Gitarre und tres (eine kubanische Gitarre mit drei Saitenpaaren aus Metall). Als Klarinettist wird der junge Francisco in die städtische Kapelle von Santiago aufgenommen. Mit fünfzehn Jahren schreibt der gelernte Frisör sein erstes Lied mit dem Titel "Yo vengo aquí". Später arbeitet er als Zigarrendreher (torcedor) in einer Tabakfabrik und trifft Künstler wie Miguel Matamoros, Sindo Garay oder Rafaelito Cueto, wichtige Interpreten des Son, der aus dem Orient stammenden kubanischen Tanzmusik. Der zukünftige Compay Segundo spielt eine von ihm selbst entwickelte siebensaitige Gitarre, den armónico. Nico Saquito ist vom besonderen Klang dieses Instruments fasziniert und verpflichtet Francisco 1934 für eine Tournee mit seinem Cuarteto nach Havanna, wo sich alles um den son, die großen Orchester und die charangas dreht.

Im Jahr 1936 reist der Musiker mit dem Cuarteto Hatuey unter Evelio Machin nach Mexiko, wo er sechs Monate verbringt und seine ersten Schallplatten aufnimmt. Zu Beginn der 40er-Jahre holt Miguel Matamoros den späteren Compay in seine Band - allerdings als Klarinettisten! Nach zwölf Jahren verlässt dieser die Gruppe, denn mittlerweile hat sein 1948 mit Lorenzo Hierrezuelo gegründetes Duo Los Compadres (die Kameraden) so viel Berühmtheit erlangt, dass es ihn voll auslastet. In dieser Zeit erhält er seinen Künstlernamen: Ein Radiomoderator nennt Hierrezuelo, der die erste Stimme singt und Begleitgitarre spielt, "Compay Primero" (erster Kamerad) und gibt Francisco, der für die zweite Singstimme sowie die Gitarrensoli auf seinem "armónico" zuständig ist, den Namen "Compay Segundo" (zweiter Kamerad). Mit ihren melodramatischen Liedern voller sprichwörtlicher Weisheiten, humoristischer Anklänge und doppeldeutiger Anzüglichkeiten, mit Compays Titeln wie Macusa, Viceta oder Huellas del passado finden sie viele Anhänger vor allem bei der Mittelschicht auf dem Land und in der Stadt. Das Duo hat sogar eine eigene tägliche Radiosendung, die in ganz Kuba und in der benachbarten Dominikanischen Republik zu hören ist.

1955 kommt es aufgrund von urheberrechtlichen Streitigkeiten zum Bruch zwischen den beiden Kameraden. Reynaldo Hierrezuelo, Lorenzos Bruder, übernimmt Compays Platz. Mangels neuer Erfolge kehrt Compay Segundo in die Zigarrenmanufaktur von H. Upmann zurück, während Fidel Castro 1959 seinen Siegeszug antritt. Als Mitglied einer Delegation, die die maoistische Landwirtschaft erforschen soll, verbringt er zwei Jahre in China. Als er 1970 pensioniert wird, greift Compay wieder zum armónico, spielt in Hotels, gründet das Cuarteto Daiquiri und tritt mit dem Cuarteto Patria von Eliades Ochoa auf.

Bei einem Festival in Washington 1989 singt er "Chan chan" und macht damit einen Bolero zum Hit der kubanischen Musik. 1992 spielt er mit Pablo Milanes drei Titel ein, und im Juli 1994 reist er erstmals nach Europa, um bei Festival "Flamenco y son cubano" in Sevilla aufzutreten. Die Spanien-Tournee seines Quartetts Compay Segundo y sus Muchasos beschert ihm einen riesigen Erfolg, der auch von den Medien unterstützt wird.




Im darauf folgenden Jahr begeistert Compay seine Zuhörer in Frankreich und Belgien und nimmt in Spanien die Doppel-CD "Antologia" auf. Dies ist der Beginn seiner Erfolgskarriere, die 1996 mit der Einspielung der berühmten CD "Buena Vista Social Club" unter Ry Cooder ihren weltweiten Höhepunkt erreicht.

Seither reiste Compay Segundo durch die Welt und spielte mit wechselndem künstlerischen Geschick eigene CDs ein (Lo Mejor de la Vida, Calle Salud und Las Flores de la Vida, erschienen bei East-West). Nachdem er 40 Jahre lang unbekannt geblieben ist, genießt er heute (inter)nationales Ansehen und wird von den kubanischen Behörden als eine Art universaler Kulturbotschafter in der ganzen Welt eingesetzt. In der Nacht des 13. Juli verstummte diese große Stimme des son, die die einfache Schönheit, die Dramen und die süßen Seiten des Lebens besungen hat und damit den Kubanern aus den Herzen sprach. Adios, Compay!

Jean-François Kempenich

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