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Live aus dem Wolke-Camp
Eine Reportage von Ellen Trapp

Hören Sie hier die Reportage aus dem Wolke-Camp hier im Audio-Format oder lesen Sie den unten stehenden Text:

In Frankfurt/Oder, kurz vor der polnischen Grenze, schlägt das Herz des deutschen Boxsports. Hier trafen und treffen sich noch immer die Boxstars von gestern und die Weltmeister von morgen. ARTE hat das Wolke-Camp besucht und beim Training zugeschaut.

“Und dann bereiten wir mal die erste Aktion vor. Fertig, fertig, fertig. Vorbereiten, vorbereiten, vorbereiten und ganz ruhig und jetzt aber explodieren - FEUER!” (potzpadautz...)

Die drei jungen Profiboxer – Danilo Häußler, René Dettweiler und Kai Kurzawa trainieren gemeinsam im Wolke Camp in Frankfurt an der Oder bei Manfred Wolke. Bei dem Trainer, der schon Henry Maske und Axel Schulz zu DEN deutschen Boxstars machte. Vier Stunden täglich wird hier gekämpft und dabei kommt es Manne Wolke, wie er hier heißt, vor allem auf folgende Bereiche an:

“Sicherheit suchen aber trotzdem den Kampf nicht aus der Hand geben, und nach den eigenen Aktionen ist das Deckungsverhalten sehr, sehr wichtig. Wir versuchen ein bisschen die Härte aus dem Boxen zu nehmen. Und wir wollen Boxen ja doch auch ein bisschen gesellschaftsfähiger machen, und dazu gehört auch die technische Perfektion, d.h. in der eigenen Handlung nicht getroffen zu werden.”

Die kleine Halle ist in zwei Bereiche eingeteilt. Auf der einen Seite der Ring, in dem seine jungen Hoffnungsträger gegeneinander antreten. In der anderen Hälfte hängen drei dicke Säcke, die potentielle Gegner darstellen.

„Führe die Auseinandersetzung, jawohl und nicht getroffen werden. Jawohl und wieder und wieder und locker und Ruuuuhe.“
„Er darf nicht treffen, jawohl nicht treffen darf er, …“

Der 61-jährige Wolke ist unerbittlich. Wahrscheinlich ist Kai Kurzawa deshalb sehr optimistisch. Wolke hält ihn für sehr talentiert. Die Schweißperlen stehen ihm auf der Stirn. Der 28-Jährige ist selbstbewusst, glaubt an sich. Und ist sich sicher, dass er es mit Hilfe seines Umfeldes, hier im Camp, schaffen könnte. Seit nun mehr 3 Jahren ist Kurzawa im “Stall“. 

„Seitdem ich  in Frankfurt bin, kann ich jetzt auch ernsthafter an meiner Karriere arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass mir nichts Besseres hätte passieren können, als diese beiden Trainer an meiner Seite, die beide Olympiasieger gewesen sind. Und da ist der Erfolg, denke ich, voraus zu sehen.“

Davon ist sicherlich auch sein Trainer überzeugt, sonst hätte er den Zögling nicht unter Vertrag genommen. Ihm fehlt noch ein bisschen das Durchsetzungsvermögen, so Wolke. Boxen – ein harter Sport, der schon mal das Gesicht der jungen Männer verunstalten kann. Damit müssen sie rechnen. Nur im Ring gibt es einen Kopfschutz.




„Die jungen Menschen sind eitel, das ist ein entscheidender Aspekt. Und darum versuche ich, die Härte aus dem Boxsport zu nehmen. Ich lege sehr viel Wert auf Verteidigung und auf Sicherheit. Ich muss ihnen sagen, ich lebe jetzt seit 45 Jahren im Boxsport und mir selbst ist es ganz, ganz selten passiert, dass ich mit dicken Augen nach Hause kam, oder mit dicken aufgeplatzten Lippen. Ich komme ja auch nicht hierher, um mich zu prügeln, das habe ich als kleiner Junge auf der Straße gemacht. Man sagt, die Faszination des Boxens kommt sicherlich daher, dass es die Sportart ist, in der es immer darum geht, sich durchzusetzen. Hier treffen zwei Männer aufeinander, die den Sieg unter sich ausmachen müssen.“
 
Genau das möchte der Jüngste in Wolkes Stall auch gerne tun: den Sieg für sich ausmachen. Seit 8 Jahren boxt René Dettweiler schon, mittlerweile in der Schwergewichts-Klasse. Er schaut den Sandsack an und für ihn ist klar:

“Ich könnte mir das Leben ohne Boxen nicht mehr vorstellen.” (Er schaut auf den Sack und schlägt ordentlich zu).

Muss er auch erst mal nicht. Der 20-jährige, der sich seit zwei Jahren schon zu den Senioren zählen darf, hat seine Karriere noch vor sich, denkt Wolke. Er braucht Zeit, Disziplin und Willensstärke, um den Sprung ganz nach oben zu machen. René Dettweiler hat Ziele:

„Henry Maske ist mein Vorbild. Ich habe seine letzten Kämpfe gesehen und das hat mich sehr fasziniert.“

Für den Boxsport und auch für das Wolke-Camp war Henry Maske, der heute gerne auch als Gentleman unter den Boxern bezeichnet wird, eine Geschenk. Niemals, da sind sich hier alle sicher, wäre diese Sportart so populär geworden. Viele finden das Boxen sogar ästhetisch. Doch es ist nicht nur schön:

„Im Ring, die ganz harten Schläge, die tun schon weh. Aber man steckt vieles mehr weg, als wenn man irgendwo auf der Straße steht. Weil man psychisch stabiler ist, auch wenn man hart getroffen wird. Aber das wollen wir ja versuchen zu verhindern.“

Wenn zwei Männer gegeneinander kämpfen, da geht es halt mal zur Sache, so Dettweilers Kollege Kai Kurzawa. Er schlägt ihm freundschaftlich mit dem Boxhandschuh auf die Schulter und lacht. Doch schon gibt es neue Befehle des Trainers, denn eine Pause gibt es nur nach seiner Ansage. Die zwei Stunden Training vormittags werden hochkonzentriert durchgezogen.

„Sicher, er muss ja versuchen für die Wettkampfleistungen das Beste aus uns rauszuholen. Und sicherlich muss er dabei auch Druck auf uns ausüben. Aber man muss mit ihm auch alles besprechen können. Deswegen kann man ihn als guten Freund bezeichnen, oder als väterlichen Freund.“

Ein väterlicher Freund, der sich für die jungen Boxer wünscht, dass Sie durch große Erfolge ihr Leben verändern können. Denn gut boxen, erfolgreich boxen bringt auch Lebensqualität. Wolke nennt es den Kampf ums eigene Leben. Ein Blick auf die Uhr sagt – für heute genug gekämpft – Mittagspause und

„Feierabend!“



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