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28. März 2000 |
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ZAUG
GmbH |
Das Comeback der Blutsauger Arten, die vom Aussterben bedroht sind, gilt im allgemeinen das besondere Mitgefühl des Menschen. Man setzt sich dafür ein, dass diese Spezies erhalten bleibt und ihr Bestand wieder zunimmt. Beim Blutegel ist das anders. Der Hirudo medicinalis ist in Europa bereits so gut wie ausgestorben. Manfred Roth arbeitet seit 10 Jahren daran diesen Zustand zu ändern. Der Zoologe bewundert diese Tiere und hat es sich zur Aufgabe gemacht, den medizinischen Blutegel in Europa wieder anzusiedeln. Dr. Manfred Roth: Der Egel gilt als Parasit, er ruft Ekel hervor und Ablehnung. Eine Haltung, die aus Unkenntnis entsteht, denn man weiß bis heute eher wenig über dieses Tier: Dr. Manfred Roth: Das Mundwerkzeug des Egels schneidet sich mühelos durch das dicke Fell von Rindern. Die Kiefer sind dabei sternförmig im Schlund angeordnet. Immer mehr Ärzte und Heilpraktiker sind wieder von der heilenden Wirkung des Egelbisses überzeugt. Er lindert Rheuma und treibt die Gicht aus dem Körper, löst Gefäss-Stauungen und heilt Infektionen, hilft bei Depressionen und Angina Pectoris. Auf die Haut gesetzt, saugt ein Egel etwa ein Schnapsglas voll Blut. Dr. Ulrich Storck: Nach einer halben Stunde hat der Blutegel sein Gewicht vervielfacht und lässt gesättigt von selbst los. Blutegel dürfen nur einmal eingesetzt werden, leicht könnten Krankheiten wie Aids oder Hepatitis übertragen werden. Gegen eine Rücknahmegebühr werden einmal benutzte Egel in eine Art Rentnerdasein entlassen. In speziell angelegten Teichen leben sie dann unter natürlichen Bedingungen. Manche Exemplare werden bis zu dreißig Jahre alt. Die eigentliche Gestalt der Egel ist in der Natur schwer zu beobachten und wird erst bei besonderer Beleuchtung deutlich. Die farbige Rückenzeichnung ist von Tier zu Tier verschieden. Ihr Körper besteht aus 95 Ringen und ist überall mit Sinneszellen ausgestattet. Der Egel gleicht einer schwimmenden Zunge, die sich in delphinartig im Wasser fortbewegt. Blutegel benötigen kalkarmes Süßwasser zum Leben. Die zwittrigen Würmer reagieren äußerst sensibel auf Wasserbewegungen jeder Art, die von Wirtstieren ausgehen könnten, von vermeintlichen Opfern, die es schon lange nicht mehr gibt. Dr. Manfred Roth: In den letzten Jahren hat sich ein reger Handel mit Egeln entwickelt. Was über lange Zeit nicht funktionierte, die Zucht der Tiere, ist im hessischen Biebertal in der Nähe von Frankfurt gelungen. Dort werden im großen Stil Tiere gezüchtet. Bisher wurde der Bedarf an Blutegeln durch Importe aus dem Ausland gedeckt. Aber eingeführt werden sie noch immer, vor allem aus der Türkei. Die Aufzucht dieser äußerst sensiblen Tiere ist schwieriger als es scheint. Dr. Manfred Roth: Die Zucht findet in konstruierten Lebensräumen statt, umgeben von Schilf. Für die erfolgreiche Fortpflanzung ist ein gleichbleibender Wasserstand Voraussetzung. Nach der wechselseitigen Befruchtung legen die Egel ihre Eier in eichelgroßen Kokons ab, in der feuchten Ufererde, zumeist im Sommer. Aus diesen Eiern schlüpfen nach etwa sechs Wochen bis zu 30 Jungegel aus. Je nach Ernährungslage brauchen sie zwei bis fünf Jahre, um so groß zu werden, dass sie medizinisch eingesetzt werden können. Frisch geschlüpfte Egel gelten als besonders beißfreudig, sie saugen an Fischen, Fröschen und Kröten. Für die Fortpflanzung ist jedoch Warmblüterblut von größter Bedeutung. Nur jeder zehnte wird alt genug, um der Medizin von Nutzen zu sein. Viele Tiere erkranken. Dr. Manfred Roth: Das ist der Traum des Egelzüchters. Die Tiere wieder in freier Wildbahn anzusiedeln. Unsere Tümpel, die flachen Teiche und langsam fließende Gewässer sollen wieder heimisch werden für den Blutegel. Aber eine solche Maßnahme führt unweigerlich zu Komplikationen mit anderen Naturfreunden. Prof. Fritz Jauker: Wie und wo siedelt man die Tiere wieder an? Kann man den Egel ohne weiteres wieder mit anderen Tierarten in Kontakt treten lassen? Aber selbst wenn gelingen sollte, dass der Egel in seiner neuen Umgebung überlebt, in friedlicher Koexistenz mit anderen Wasserwesen, dann ist da immer noch der Mensch, der ihn einfach nicht mag. Prof. Fritz Jauker: Und dabei gibt er seinem Opfer auch etwas zurück: Eine Eigenschaft, die der Mensch nun wiederentdeckt hat und dem Egel eine Renaissance beschert. Ob es aber der Mensch zulässt, dass der Blutegel je wieder in freier Wildbahn balzt, ist eher fraglich. |
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