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Homepage des Jacob
Blaustein Instituts für Wüstenforschung
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Wasser
für die Wüste
Mitten in der israelischen
Negev-Wüste liegt das Jacob-Blaustein-Institut, ein Forschungszentrum,
das sich vor allem mit Fragen der Wassergewinnung, -wiederaufbereitung
und -einsparung beschäftigt, Probleme, die vor allem arme Länder
in der südlichen Hemisphäre betreffen.
Nur wenige Kilometer von der israelischen Wüstenstadt Arad entfernt
wird mit ihren Abwässern experimentiert. Die stinkende Brühe
der Stadt mit rund 40 000 Einwohnern, wird in einem speziell für
arme Länder entwickelten Reinigungsverfahren wiederaufbereitet. Komplizierte
technische Recyclinganlagen sind kostspielig und deswegen für Länder
des Orients und Afrikas unrealistisch. Doch dort, wo Land billig zu haben
ist - und das gilt für alle Wüstenregionen -, kann man mittels
riesiger Aufbereitungsbecken Abwässer soweit recyclen, dass man sie
schließlich wieder für Agrarzwecke einsetzen kann, wie hier
etwa für eine Mandelbaumplantage.
Prof. Gideon Oron,
Jacob-Blaustein-Institut
Das Hauptprinzip, auf dem diese Kläranlage beruht, ist die Photosynthese.
Die organischen Substanzen werden biologisch abgebaut: Das funktioniert
über Kohlendioxid zusammen mit Wasser und über die Photosynthese,
einen Vorgang, den wir in der 5.Schulklasse kennen gelernt haben. Algen
und Sauerstoff bilden sich, die Algen vermehren sich in großen Mengen
und in großer Dichte. Sie lösen die Photosynthese aus. Der
Abbau geschieht, indem das Kohlendioxyd verbraucht wird. Die Algen verwenden
für sich Nährstoffe wie Phosphate, Stickstoff und Potasche,
die Hauptbestandteile des Abwassers. Der Sauerstoff, der dabei entsteht,
beschleunigt den Abbau der organischen Substanzen.
In fünf Becken wird das Abwasser gereinigt. In einem ersten, von
einer Plane überdeckten Becken werden zunächst die Gase aus
dem Dreck herausgefiltert und abgeleitet. Dabei handelt es sich überwiegend
um Methangas. Es ist der erste Schritt des Recyclings.
Prof. Gideon Oron
Hier links sehen sie eine andere Art von Setzbecken über das wir
eine kleines Zelt gebaut haben. Es hat eine abfallende Bewegung, es versinkt
schließlich im Abwasser. Auch hier wird Methangas gesammelt und
zu einem Gebäude umgeleitet, das man im Hintergrund sehen kann. Vielleicht
können wir diese Gase in Zukunft als Energiequelle nützen.
In drei weiteren Becken wird das Wassern Schritt für Schritt gereinigt,
ehe es auf die Felder kommen darf. Es sind vor allem Algen, die den Reinigungsprozess
ermöglichen. So einfach die Methode ist, sie funktioniert recht gut
und sie ist vor allem - billig. Das Wasser, das im letzten Lagerungsbecken
gespeichert wird, ist nun so klar, dass man es verwenden kann. Aber natürlich
gibt es auch bei dieser Methode Nachteile und Unvollkommenheiten, die
die Wissenschaftler zu überwinden versuchen.
Der Klärungsvorgang mittels Algen hat zwei Nachteile: Sie sind nur
äußerst schwer aus dem geklärten Wasser zu entfernen und
sie liegen relativ tief im Wasser, etwa einen bis anderthalb Meter. Damit
kann der obere Teil nicht so gut gereinigt werden, der Vorgang muss wiederholt
werden. Daher experimentiert Prof. Oron auch mit anderen Pflanzen, etwa
der auch bei uns bekannten Entengrütze. Ihr Vorteil: Sie liegt fast
direkt an der Wasseroberfläche, mit ihrer Hilfe werden größere
Wassermengen geklärt. Doch das ist nicht der einzige Vorzug dieser
Pflanzenart:
Die billige Entengrütze ist vor allem in der Lage, die Stickstoffe
aus dem Abwasser komplett aufzunehmen und in sich zu hochwertigem Protein
zu verwandeln. Diese Experimente haben auch gezeigt, dass Entengrütze,
die zur Wasserklärung verwendet wurde, zu einem erstklassigen Futtermittel
für Nutztiere wird. Ein positives Nebenergebnis. Bald soll Entengrütze
in den echten Kläranlagen, etwa von Arad eingesetzt werden. Gleichzeitig
wird aber auch mit anderen Pflanzen, etwa mit dieser wilden Salatpflanze
experimentiert.
Prof. Gideon Oron
Diese Salatpflanze ist nicht schlecht. Wir überprüfen hier gerade
ihre Fähigkeit, Stickstoff zu beseitigen und welche Möglichkeiten
sich dadurch für die Proteinentwicklung ergeben. Übrigens, die
Entengrütze ist in erster Linie für den Stickstoff zuständig.
Aber es gibt natürlich auch andere Bestandteile, die wir in den Abwässern
beseitigen müssen, vor allem die Phosphate sind da sehr problematisch,
da sie in großen Wasserbecken eine Unmenge an Algen hervorbringen,
Fische können in solchem Wasser nicht gedeihen, man kann darin auch
nicht schwimmen und so weiter. Wir müssen also auch weiterhin nach
unterschiedlichen Pflanzen für die Wasserklärung suchen.
Die Probleme sind mit der Klärung des Abwassers für arme Länder
mit hohem Wüstenanteil natürlich noch nicht beseitigt. Denn
auch Abwasser ist in Gegenden wie hier im Negev, wo im Jahr höchstens
100 ml Regen pro m² fällt, ein kostbares Gut, das sehr sparsam
eingesetzt werden muss. Dazu entwickelte man in Israel die sogenannte
Tröpfchenbewässerung, die eine effektive Nutzung der Vorräte
des geklärten Wassers ermöglicht. Das Wasser kommt auf diese
Weise ausschließlich an die Stellen im Boden, die wirklich Wasser
benötigen, also die Wurzeln der Pflanzen. Doch auch auf diesem Weg
geht Wasser verloren: Durch die Verdunstung.
Um diese Verdunstung zu verhindern, sind Prof. Oron und sein Team dazu
übergegangen, die Bewässerung unterirdisch anzulegen. Die gleiche
Art von Schläuchen, die man für die Tröpfchenbewässerung
benötigt, liegt jetzt etwa 30 cm unter der Erde. Daraus ergeben sich
gerade im Zusammenhang mit dem geklärten Wasser große Vorteile.
Prof. Gideon Oron
Die Hauptidee bei der unterirdischen Tröpfchenbewässerung ist
die, dass die Bodenoberfläche völlig trocken bleibt. Das hat
etwas mit dem behandelten Abwasser zu tun. Denn so schließe ich
jeden Kontakt zwischen dem gesäuberten Abwasser und den Arbeitern
und ihren Maschinen aus. In diesem Fall hier auch noch mit den reifen
Mandeln, die auf den Boden fallen. Damit reduzieren wir das Gesundheitsrisiko
oder auch eine Umweltschädigung auf ein Minimum. Das ist der Hauptvorteil
dieser unterirdischen Bewässerung.
Die Lösungen für das große Wasserproblem in der Wüste
in der Natur selbst zu finden - das ist das Hauptziel der Experimente
am Jacob-Blaustein-Institut. Damit wird gleichzeitig ein wichtiger Beitrag
zum Umweltschutz geleistet. Die Wissenschaftler respektieren die Wüste
und bemühen sich trotzdem, das Leben der Menschen in solchen Regionen
zu verbessern.
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