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Kinostart: 14/06/2001


Ein Film von Edward Yang


Beste Regie, Internationale Filmfestspiele Cannes 2000
Grand Prix Regard d'Or, Freiburg 2001

NJ Jian, seine Frau Min-Min und ihre beiden Kinder sind eine typische Mittelstandsfamilie aus Taipeh. Das ruhige Leben der Jians ändert sich dramatisch am Hochzeitstag von Min-Mins Bruder A-Di. Lange hat man auf einen im chinesischen Sternenkalender günstigen Tag gewartet, doch nun geht alles schief: Die Verwandtschaft lästert über die sichtlich schwangere Braut, die Gäste trinken zuviel und Min-Mins Mutter erleidet einen Schlaganfall, aus dessen Koma sie vielleicht nie wieder aufwachen wird.

NJ's scheinbar intaktes Leben gerät immer weiter aus den Fugen. Seine Computerfirma droht in Konkurs zu gehen, und mitten in den Sorgen um die todkranke Schwiegermutter trifft er seine Jugendliebe Sherry wieder, die er zwar vor 20 Jahren verlassen, aber nie vergessen hat.

YI YI ist ein scheinbar mit leichter Hand inszeniertes Filmgemälde, das mit tiefgründigem Humor einen komplexen Mikrokosmos des Lebens entwirft und so den Menschen den Blick für das öffnet, was sie selbst nicht sehen können.

Wie viele Männer in den Vierzigern ist NJ an einen Punkt angelangt, wo man sich die Frage stellt, ob das Leben nicht hätte anders verlaufen können. Die zufällige Begegnung mit seiner Jugendliebe Sherry macht ihm Lust, alles hinter sich zu lassen und wieder bei Null anzufangen. Denn Zuhause folgen Krise auf Krise zwischen seiner Schwiegermutter, seiner Frau Min-Min und seinen Kindern Ting-Ting und Yang-Yang; und beruflich steht die Computerfirma, deren Gesellschafter er ist, kurz vor dem Ruin.

NJs Probleme gehen am Tag der Hochzeit seines Schwagers erst wirklich los. Zwischen anderen Aufregungen der Feierlichkeiten erfährt NJ, daß seine Schwiegermutter ins Krankenhaus gebracht wurde und im Koma liegt. In seiner Firma wird das Engagement eines berühmten Software-Programmierers anvisiert, und es ist NJ, der den zukünftigen Partner Ota empfangen soll, ein charmanter und vornehmer Mann, mit dem er sofort Freundschaft schließt.

Zuhause aber werden die Dinge immer schlimmer. Die Großmutter wurde, noch immer im Koma, nach Hause geholt, und die Ärzte drängen darauf, daß die ganze Familie mit ihr sprechen soll, um sie ins Leben zurückzuholen. Für Min-Min ist der Druck zu stark, sie kollabiert und geht in einen Tempel, um unter der Leitung eines "spirituellen Meisters" zu meditieren. Mit der regungslosen Großmutter zu sprechen, ist auch für die Kinder eine Prüfung. Der kleine Junge Yang-Yang kann sich nicht dazu entschließen. Dafür beginnt er, sich für die "andere Hälfte der Wahrheit" zu interessieren, die er mit seinem Fotoapparat einzufangen versucht: er fotografiert die Hinterköpfe der Menschen, schließlich ist das das Einzige, was man selbst von sich nicht sehen kann. Die heranwachsende Ting-Ting hingegen fragt sich, ob der Zustand der alten Dame nicht ihr anzurechnen sei.

Unterdessen ist NJ in Japan, offiziell aus beruflichen Gründen, doch eigentlich um an seine alte Liebe anzuknüpfen. Was wird aus den Geschäftsverhandlungen, was wird aus der Liebe von vor zwanzig Jahren? Erst wenn NJ nach Taipeh zurückkehrt, wird er wissen, ob das Leben ihm eine zweite Chance gegeben haben wird oder nicht.

Geboren 1947 in Shanghai, 1949 Umzug der Familie nach Taipeh. Nach seiner Ausbildung als Elektroingenieur zog Edward Yang in die USA, um dort Computer Design zu studieren. Sein Interesse am Kino brachte in zur USC Film Schule, aber bereits nach einem Semester stieg er dort wieder aus und arbeitete 7 Jahre lang für eine Firma in Seattle als System Programmierer.

1981 kehrte er nach Taiwan zurück und begann dort eine neue Karriere, zunächst als Drehbuchautor, dann als Regisseur. 1989 gründete er die unabhängige Firma Yang and his Gang, Filmmakers. Seit 1992 macht die Firma auch Theaterprojekte, seitdem nennt sie sich Atom Films & Theatre. Neben der Finanzierung und der Produktion von Filmen und Theaterstücken, kümmert sich die Firma zunehmend um Hi-Tech Multimedia Experimente und Zubehör.

Edward Yang zählt zusammen mit Hou Hsiao-hsien zu den Gründern der taiwanesichen nouvelle vague. Mittlerweile gehört er zur Weltspitze der internationalen Regisseure. In den vergangenen 20 Jahren wurde er mehrfach mit Internationalen Preisen ausgezeichnet.

Filmografie

1983 That Day - On the Beach (HAITAN DE YITIAN) (Drehbuch und Regie)
Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch,Taipeh Critics Award Gold Award, Houston International Film Festival

1985 Taipei Story (QINGMEI ZHUMA) (Drehbuch und Regie) FIPRESCI Preis, Locarno Film Festival 1985

1986 The Terrorizer (KONGBU FENZI) (Drehbuch und Regie) Grand Jury Preis, Locarno Film Festival 1987 Bester Film, Golden Horse Award, Taiwan 1986

1991 A Brighter Summer Day (GULING JIE SHAONIAN SHA REN SHIJIAN) (Drehbuch und Regie) Grand Jury Preis und FIPRESCI Preis, Tokyo Film Festival 1991 Beste Regie, Festival des 3 Continents, Frankreich 1991 Bester Film und Beste Regie, Singapore Film Festival 1992

1994 A Confucian Confuison (DULI SHIDAI) (Drehbuch und Regie) Offizieller Wettbewerbsbeitrag, Cannes 1994 Bestes Drehbuch, Golden Horse Awards, Taiwan 1994

1996 Mahjong (MAJIANG) (Drehbuch und Regie) Spezialpreis der Jury, Berlinale 1996 Beste Regie, Singapore Film Festival 1996

2000 YI YI - A ONE AND A TWO (YI YI - A ONE AND A TWO) (Drehbuch und Regie) Beste Regie, Cannes 2000 Grand Prix Regard d'Or, Freiburg 2001

Edward Yang über seinen Film YI YI

"Thema meines Films ist schlicht und ergreifend das Leben, ein Leben, dessen ganze Bandbreite ich habe zeigen wollen. Meiner Auffassung als Drehbuchautor nach dominiert die Einfachheit alle Komplikationen, die sich im Laufe des Films zutragen. Deshalb habe ich den chinesischen Titel "Yi-Yi" gewählt, den man wortwörtlich mit "Eins-Eins" übersetzen könnte. Im chinesischen Wörterbuch erscheint YI YI als allererster Begriff, nach dem Zeichen "Eins", der durch einen einzigen horizontalen Strich dargestellt ist.

Der Begriff "Eins-Eins" bedeutet "Individualität"; dies ist der Grund, warum ein jeder Lebensabschnitt - von der Geburt bis zu Tod - im Film durch verschiedene Personen dargestellt wird. Legt man zwei horizontale "Einsen" übereinander, wie die Zeichen des chinesischen Titels, erhält man mit diesen beiden Balken ein anderes Zeichen, das "Zwei" bedeutet. Das "Eins" über "Eins" hat die Aufgabe, die Art und Weise anzuzeigen, mit der jedes Individuum mit einem anderen verbunden ist, sei es in Liebe, Freundschaft, Unverständnis oder durch etwas ganz anderes.

Der englische Titel "A One and a Two" schließlich ist der rituelle Satz, mit dem jede Jam Session beginnt und die den Zuschauer darauf hinweisen möchte, daß das, was folgen wird, weder schwierig noch belastend oder zum Fürchten sein wird. Das Leben sollte sein wie eine Jazz-Melodie. Nur wenige Dinge sind im Leben so einfach wie dieses "A One and A Two" .

Ich erinnere mich an eine "Cannes-Sondernummer" der Libération in den 80er Jahren, in der Filmemachern aus der ganzen Welt die gleiche einfache Frage gestellt wurde: "Warum machen Sie Filme?" Ich habe mit einem vergleichbar einfachen Satz geantwortet: "Weil ich so vermeiden kann zu sprechen". Die interessantesten Dinge, die ein Filmemacher zu sagen hat, finden sich vermutlich in seinem Film und nicht auf dem Papier.

Dieser Film ist so einfach wie es das "a one and a two" im Leben ist. Ich möchte, daß die Zuschauer mit dem Eindruck aus meinem Film herauskommen, einen Augenblick mit einem Freund verbracht zu haben. Wenn es aber der Zufall will und sie sich sagen, daß sie einen "Filmemacher" kennengelernt haben, dann wäre mein Film verfehlt."

"Ein taiwanesischer Computerspezialist in den Vierzigern gerät durch eine Reihe von widrigen Umständen in eine Lebenskrise, die ihn zwingt, sein bisheriges Dasein zu überdenken. Feinsinnig entwickeltes Familien- und Zeitporträt, das den Alltagskatastrophen mit großer Gelassenheit gegenüber tritt und seine vielen Akteure aus einer wohl tuenden Distanz bei ihren Versuchen betrachtet, mit den Glücks- und Unglücksfällen ihres Daseins fertig zu werden. Sowohl formal als auch inhaltlich brillant entwickelt und meisterlich inszeniert..."

http://www.film-dienst.de

Offizielle Website:
http://www.yiyithemovie.com/

Bereits in den Kinos:


Intimacy

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