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[Interview]
Interview mit Dr.
Axel Neuroth,
Chefoperateur der VIP-Ästhetik-Rheinparkklinik in Düsseldorf
In den USA legen
sich immer mehr Menschen für die Schönheit unters Messer. Die
Patienten werden zugleich immer jünger. Ist der gleiche Trend auch
in Deutschland zu beobachten? Haben Sie Patienten unter 18?
Der Trend, dass immer
jüngere Patienten die Möglichkeit der Schönheitsoperation
wahrnehmen, ist in Deutschland genauso zu erkennen wie im Ausland, wobei
die Bewegung eindeutig aus Amerika kommt.
Es ist aber in Europa generell und in Deutschland speziell nicht so extrem
zu beobachten. D.h. hier wird nicht zum 15. Geburtstag die erste Nase
verschenkt, sondern man versucht, diese Einzelfälle - von Nasenkorrekturen
abgesehen, die bereits mit 15 stattfinden - auf wirklich desolate Befunde
zu beschränken. Oder aber man führt Brustvergrößerungen
vor dem 18. Lebensjahr nur dann durch, wenn von der Familie eindeutig
die Vorgeschichte bekannt ist, z.B. auch die Mutter mit 20, 30, 40 Jahren
keine große Brust entwickelt hat. Warum sollte man in einem solchen
Fall länger warten?
In anderen Fällen sind Problempolster schon mit 13-14 dermaßen
heftig, dass Ober- und Unterschenkel aussehen wie "Telegraphenmasten".
Da muss man unter Umständen sehr früh eine Korrektur vornehmen,
damit die Haut nicht tausendfach reisst, voller Narben ist und später
nichts wieder gutzumachen ist.
Wie sind die
anderen Altersgruppen vertreten?
Mit 17,18 Jahren geht
es massiv los mit Vorberatungen, die Operationen beginnen dann üblicherweise
ab 18 und steigen bis 30/40 massiv an. In dieser Altersgruppe ist ein
Hauptteil unseres Klientels angesiedelt. Oberhalb dieser Altersgruppe
- um die 40/ 50 - gibt es dann noch späte Figurkorrekturen.
Welche Eingriffe
und Korrekturen sind am gefragtesten?
Den Hauptteil der
Korrekturen machen die Figurkorrekturen aus, vor allem die Absaugung von
Problempolstern, wofür wir seit 20 Jahren eine besondere Technik
anwenden. Wir nehmen hier vorwiegend Korrekturen im Bereich Reithose,
Po und Hüften vor, gefolgt von Oberschenkel innen, Knie innen und
Bauch. Die meisten Figurprobleme - von dem Komplex Brust abgesehen - sind
um das weibliche Becken herum angesiedelt.
Ist die erhöhte
Akzeptanz für Schönheitschirurgie auch bei Männern zu beobachten?
Wie viele Ihrer Patienten sind Männer und mit welchen Problemen kommen
sie hauptsächlich zu Ihnen?
Männer machen
vorwiegend Fettabsaugungen und Lidkorrekturen. Fettabsaugungen deshalb,
weil sie Zeichen der Verweichlichung beseitigen wollen, z.B. sogenannte
"Love-Handles", Fettpolster in der Taille, die über die
Hose wegschwappen. Sie kommen auch zu uns, wenn die Brust vergrößert
ist und aussieht wie bei einer pubertierenden Frau. Das ist alles andere
als männlich.
Männer machen ungefähr 5% unserer Klientel aus, wobei der Anteil
von Eingriff zu Eingriff variiert, weil Männer ganz spezielle Eingriffe
haben. Bei den Lidkorrekturen und der Entfernung von Tränensäcken
stellen die Männer einen hohen Gesamtanteil von 15%. Liftings hingegen
sind bei Männern eher die Ausnahme.
Warum nennt
sich Ihre Klinik VIP-Klinik?
Das entspricht unserem
Arbeitsstil: VIP steht für "very individual practicing".
Bei uns werden nur solche Techniken angewandt, die einen fast sicheren
kosmetischen Erfolg bieten, das heisst keine Eingriffe, bei denen die
Folgen genauso störend sein werden wie der Vorbefund oder ähnlich
störend.
So versuchen wir bei unseren Eingriffen zum Großteil ohne große
Schnitte zu arbeiten. Im Bereich der Figurkorrekturen z.B. haben wir eine
spezielle Technik der Figurmodellierung, bei der keine großen Schnitte
nötig sind. Beim Lifting wenden wir die Technik des "Facebrightening"
an, bei der von der Knochenhaut her das gesamte Gesicht gehoben wird,
so dass das Innere gestrafft wird und dabei die Oberfläche voll mimisch
aktiv bleibt, im Gegensatz zum üblichen Liften.
Werden in Vorgesprächen
auch die tieferliegenden Gründe für den Wunsch nach einem Eingriff
angesprochen?
Immer...
Wie finden Sie
dabei heraus, ob jemand wirklich einen chirurgischen Eingriff benötigt
? Brauchen einige Patienten nicht eher einen Psychiater?
Einige ja, es sind zum Glück Ausnahmen. Es ist in den letzten zwanzig
Jahren eine Aufgeklärtheit dahingehend entstanden, dass psychische
Probleme durch Schönheitsoperationen nicht lösbar sind, wohl
aber formbedingte Probleme.
Das betrifft z.B. Kontaktscheu durch Hemmungen : Wenn jemand sich wegen
starker Hüften oder einem zu starken Bauch nicht mehr an den Strand
traut. Wenn man dem das Selbstvertrauen wiedergeben kann, sind wir und
der Patient zufrieden.
Kommen die Patienten
mit festen Vorstellungen zu Ihnen?
Je nach Saison haben
50-70% der Patienten bereits vor dem Vorgespräch eine ziemlich feste
Vorstellung. Die Hälfte oder ein Drittel der Klientel sind sich nicht
sicher, was sie eigentlich genau machen wollen, wie sie das Problem am
besten angehen wollen und wie das hinterher genau aussehen soll und sagen
"das und das stört mich, kann man da was machen?". Diese
Patienten haben aber häufig zumindest eine gute Vorstellung von dem,
wo ihr Problem liegt.
Es gibt heute zum Glück nicht mehr so viele Patienten, die mit einer
völligen Unwissenheit ankommen und überhaupt nicht wissen, was
sie wollen, nach dem Motto "Ich will jetzt jünger werden".
Welche Rolle
spielt bei den Wünschen Ihrer Patienten die Angst vor dem Älterwerden?
Das spielt schon eine
große Rolle, da das Älterwerden einfach mit bestimmten Zeichen
der Erschlaffung, des Faltigwerdens verbunden ist.
Da gibt es in unserer Gesellschaft aber eine merkwürdige Gegenläufigkeit:
Einerseits machen alle alles nur Denkbare gegen ihre Haut, indem sie in
die Sonne oder ins Solarium gehen und nicht auf genügenden Sonnenschutz
achten und dadurch ihre elastischen Fasern vernichten.
Diese Kluft zwischen dem eigenen Tun, dem Beitrag zur Alterung und dem
Wunsch, jung auszusehen, sieht man sowohl bei der Nutzung der Sonne als
auch beim Rauchen und dem Alkoholkonsum.
Auf der anderen Seite gibt es ein größeres Vertrauen in die
Möglichkeiten der Technik der Schönheitschirurgie. Man sieht,
dass Erfolge herauskommen und man nutzt sie auch selbstverständlicher.
Deshalb kommen auch schon Jugendliche mit 15-17 Jahren zu uns, weil sie
einen anderen Zugang dazu haben, frei sind von moralisierenden Blockaden
und sich sagen können "warum soll ich das nicht jetzt schon
machen" und "geht das denn nicht?"
Wo liegen die
(gesetzlichen) Grenzen der Schönheitschirurgie in Deutschland?
Man muss da als Arzt
sehr individuell handeln. Ein Gesetz schafft keine Regelung, wie ich den
Menschen schütze, das wäre ja rein kategorisches Denken. Ich
sehe das so: Nehmen Sie das Beispiel eines Patienten, der durch die Entwicklung
seiner Fettpolster eine völlige Figurvernichtung davontragen würde.
Da muss man auch schon in frühem Alter etwas machen und ihn darüber
aufklären, dass auch im späteren Leben noch kleinere Korrekturen
nötig werden können. Oder nehmen Sie Patienten, bei denen psychische
Schäden bestehen durch eine verformte Nase oder durch eine extrem
kleine Brust, die zu Hänseleien führt und zu einer totalen Unsicherheit
als Frau.
In solchen bestimmten Fällen kann man dann durch Chirurgie verhindern,
dass Schäden entstehen, die voraussehbar sind. Und hier setze ich
auch den moralischen Hebel an: Ich kann dann etwas tun, wenn ich den Menschen
vor Schäden bewahre und das auch schon in jungen Jahren.
Wo setzen Sie
als Arzt weitere Grenzen? Gibt es Behandlungen, die besonders risikobehaftet
sind?
Natürlich, bei
vielen Dingen müssen wir Grenzen setzen. Gigantische Brüste
wie Lolo Ferrari würden wir z.B. nie machen. Das ist in Deutschland
im Grunde ohne Probleme möglich.
So etwas lehne ich grundsätzlich ab, wenn es sich nicht um einen
rein kommerziellen Bereich handelt, also z.B. die Klientin in der Bar-
und Unterhaltungindustrie arbeitet und die Brust Teil ihrer "Dienstleistungsmittel"
ist. Aber nicht für einen "normalen Menschen", also wenn
der Mensch versucht, etwa weil der Partner große Brüste mag,
ihn durch diese Vergrößerung zu halten oder zu gewinnen. Dann
ist das ein Wahnsinn, den man nicht unterstützen darf.
Glauben Sie,
dass unsere Gesellschaft heutzutage ein besonders ausgeprägtes Problem
mit dem Körper hat?
Ja, immer noch, und
zwar gibt es einerseits nach wie vor diese große Angst vor dem Altern,
vielleicht noch viel schlimmer als früher, weil die Werte sehr optisch
und äußerlich geworden sind. Die inneren Werte zählen
bei weitem nicht mehr wie früher...
Aber Schönheitschirurgie als Alterschirurgie ist eine Chirurgie,
die nur dann was bringt, wenn das Innere stimmt: Wenn ich Persönlichkeit
habe, wenn ich feste Ansichten zu meinem Leben habe, dann kann ich mit
der Schönheitschirurgie, durch die Verbesserung der Oberfläche,
eine frische komplette Persönlichkeit demonstrieren. Wenn ich einen
dummen Menschen vor mir habe, sollte ich das lieber gar nicht machen:
Eine Glättung nimmt ihm ja wieder die durch Falten suggerierte Pseudoreife...
Bei Ihnen kann
man also keine Schönheit einkaufen?
Nein, auf keinen Fall,
die Schönheit muss man sich selber verdienen. Die Hübschheit
kann man sich aber bei uns kaufen.
Welche Ratschläge
könnten Sie unseren Zuschauern geben, die sich für eine Operation
interessieren? Gibt es bestimmte Berufsbezeichnungen auf die man achten
sollte? Und woher bekommt man seriöse Adressen von Ärzten und
Kliniken?
Mit den Berufsbezeichnungen
ist es genauso wie mit dem Führerschein. Der ist auch kein Beweis
dafür, dass jemand gut Auto fährt. Wer das Papier hat, hat noch
lange keine geschickten Hände. Und bei den Listen, die existieren,
handelt es sich um reine wirtschaftliche Kontaktadressenlisten.
Meiner Meinung nach ist es am Wichtigsten, das Arbeitsfeld des Anbieters
genau abzuklopfen. Die meisten der in der Schönheitschirurgie arbeitenden
sind Gelegenheits-zuarbeiter, die einen kleinen Anteil ihrer beruflichen
Tätigkeit in der Schönheitschirurgie zusätzlich als Taschengeld
verdienen. Das sind keine richtigen Schönheitschirurgen, sondern
häufig klassische Chirurgen und alle möglichen Berufsgruppen.
Es gibt aber Ärzte, die nur Schönheitschirurgie machen und die
sollte man aufsuchen. Das merkt man deutlich an der Palette, die der-oder
diejenige bietet. Der bietet dann nicht nur einen Eingriff - dann könnte
er gar nicht existieren - , sondern hat in allen Bereichen von Gesicht
und Figur genügend Beispiele vorzuweisen, wie er arbeitet. Positiv
und hilfreich ist, wenn der Arzt über Kontaktlisten verfügt
mit zahlreichen Patienten pro Eingriff, wo sich die Patienten erkundigen
können, ob das gut geworden ist, und wie andere das Ganze erlebt
haben.
So etwas machen wir hier seit zwanzig Jahren: Das sind Patienten, die
selber diese Liste genutzt haben, und wissen, dass andere gerne danach
fragen und die sich gesagt haben "gut, ich bin jetzt auch bereit,
eine Weile an dieser Liste teilzunehmen, denn ich bin zufrieden und möchte
versuchen, anderen ihre Ängste zu nehmen".
Es besteht nämlich
häufig eine ganz große Überwindungsschwelle, die Schönheitschirurgie
für sich wahrzunehmen, moralisierende Bedenken, Ängste, dass
jede Information getürkt sein könnte, oder einfach mangelhaftes
Vertrauen.
Das Interview
führte Nicola Hellmann
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