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Donnerstag, 11. Januar

ab 20.45 Uhr

Themenabend:
Was uns auf den Nägeln brennt:

Nahost - Krieg oder Kompromiss ?


180 Min.
Themenabend von Reinhart Lohmann und Monika Lobkowicz
ZDF/BR

Die Geschichte des Streits zwischen Israelis und Palästinensern ist eine Geschichte vom Hass zweier Völker, die beide mit gutem Recht Ansprüche auf ein Land stellen, das ihnen heilig ist. Es ist aber auch eine Abfolge verpasster Chancen, ausgelöst durch den mangelnden Mut der politischen Führer, ihre Bürger auf das Unvermeidliche eines schmerzvollen Kompromisses einzustellen. Kriegerische Auseinandersetzungen und Friedensgespräche haben die Geschichte des Staates Israel von Beginn an begleitet.

Seit dem Besuch des rechtsgerichteten israelischen Oppositionsführers Ariel Sharon auf dem Tempelberg am 28. September 2000 sind bei blutigen Auseinandersetzungen unzählige Menschen verletzt und über 250 Menschen getötet worden, die überwiegende Mehrheit davon Palästinenser. Die Demonstration militärischer Überlegenheit durch gezielte Vergeltungsschläge auf strategische Gebäude der Autonomiebehörde erzürnen die arabische Welt und lassen den Ruf nach einem Heiligen Krieg laut werden. So versteht Syriens Präsident Assad die neue Intifada als Aufruf an alle arabischen Herrscher, den Palästinensern zur Durchsetzung ihrer Selbstbestimmungsrechte zu verhelfen. Im Gazastreifen, im Westjordanland und in Ostjerusalem ist kaum jemand zur Rückkehr zum friedlichen Alltag bereit. Schluss mit dem israelischen Friedensdiktat heißt die Losung der Palästinenser.
Ein Ende der Gewalt ist nicht abzusehen, da aus palästinensischer Sicht auch internationale Bemühungen die Ungleichheit beider Völker festschreiben.
Wird der neue amerikanische Präsident andere Akzente in seiner Nahostpolitik setzen? In den USA und Europa werden die israelischen Übergriffe mehrheitlich als unverhältnismäßig empfunden. Israels Ruf steht weltweit auf dem Spiel. Lässt sich der Staat Israel von einer kleinen Schar extremistischer Siedler und radikalen Politikern in der Knesset erpressen? Die jüdischen Siedler betrachten das von ihnen beanspruchte Land als von Gott verheißen. Wenn Juden andere Juden aus Hebron, Gush Etzion oder Bet El vertrieben, gälte dies vielen in Israel als Verrat an Herzls Vermächtnis.
Der Themenabend erforscht in aktuellen Filmen die Innenwelten der Konfliktpartner angesichts einer äußerst gespannten Lage. Er spricht Tabus an und lotet die Friedenschancen für eine nahe Zukunft aus. Zwischen den einzelnen Filmen diskutiert Günther Neufeldt mit israelischen und palästinensischen Gästen und Experten live aus Berlin.

 

>20.50 Uhr

Volk ohne Staat
45 Min. (VPS: 20.45)
Dokumentation von Gerd Helbig
Deutschland 2000
Deutsche und französische Erstausstrahlung
Seit dem Wiederaufflammen der Gewalt im Nahen Osten, seit dem Ausruf einer neuen Intifada, findet in den autonomen Gebieten und in den arabischen Staaten der Region eine drastische Radikalisierung der öffentlichen Meinung statt. Auch die israelischen Araber solidarisieren sich zunehmend mit den Palästinensern. Der Lagerkoller treibt das palästinensische Volk ohne Land in den gewalttätigen Fatalismus. Ariel Sharons provokanter Besuch auf dem Jerusalemer Tempelberg löste eine kalkulierte blutige Kettenreaktion aus. "Sie kennen keine Angst, denn sie haben nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen," heißt es, und: "So lange es Siedler gibt, gibt es Krieg". Kinder, Jugendliche, junge Männer, alle drängen in die vordersten Reihen, um mit bloßen Händen gegen den übermächtigen Besetzer zu kämpfen und als Märtyrer zu sterben.
Doch die Kinder der wohlhabenden Palästinenser werden trotz des Hasses auf Israel von diesen Kämpfen ferngehalten. Ein Teil der Palästinenser glaubt die Israelis nach dem Vorbild der Hisbollah im Südlibanon durch Bombenterror aus ihren Gebieten vertreiben zu können. Israelische Vergeltungsschläge mit Raketen und Kampfhubschraubern legitimieren laut Autonomiebehörde das Recht auf "bewaffnete Notwehr".
Wie soll diese Dynamik von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen werden? Wie sieht aus palästinensischer Sicht ein friedliches Miteinander aller Nachbarn zwischen Westjordanland, Jerusalem und Gazastreifen aus? Das palästinensische Volk wartet seit Jahrzehnten in den autonomen Gebieten, im Süden Libanons, in Jordanien und in der ganzen Welt verstreut auf einen eigenen Staat. Dabei kann es auf eine Hauptstadt Jerusalem nicht verzichten. Wird es noch zu Lebzeiten Präsident Arafats gelingen, den versprochenen Staat zu gründen?
Der Film schildert den Alltag mit der Gewalt aus der Sicht der Bevölkerung. Er hinterfragt außerdem die inneren Strukturen der palästinensischen Gesellschaft: Wie friedensfähig und verlässlich ist Arafats Autonomiebehörde, die nicht durch das Volk legitimiert ist?

 

>21.35 Uhr

Gesprächsrunde (1)

20 Min. (VPS: 21.30)
Diskussion
Es moderiert Günther Neufeldt.

>22.05 Uhr

Eretz Israel - Das friedlose Heilige Land

45 Min. (VPS: 22.40)
Dokumentation von Thomas Hausner
Deutschland 2000

Deutsche und französische Erstausstrahlung

Der Zionismus als staatstragende Ideologie, der gemeinsame Konsens der Gründerväter Israels, verliert zunehmend seine verbindende Wirkung. Es gibt viele Gründe für die Schwächung dieser Ideologie. Über Jahrzehnte konnten konfliktträchtige Spannungen mehr oder weniger unter den Teppich gekehrt werden. Jetzt spalten die Gegensätze die Nation in einem noch nie gekannten Maße. Orientalische Juden, die Sepharden, emanzipieren sich gegenüber den europäisch geprägten Ashkenasi. Rechte Siedler stehen gegen liberale Israelis, die den Kontakt und den Ausgleich mit den arabischen Nachbarn suchen. Die arabische Minderheit in Israel fordert lautstark, teilweise gewalttätig, ihre Rechte ein. Auch die Spannung zwischen religiösen und säkularen Juden steigt. Baraks Kampf ums politische Überleben belegt im Parlament, dass Israel heute eine zutiefst zerrissene Gesellschaft ist, in der gegensätzliche Interessen, widersprüchliche Ideologien und konfliktträchtige Feindbilder die tagespolitische Ordnung permanent aufwühlen und in fortwährende politische Turbulenzen stürzen. Dabei wird die Eskalation der Gewalt billigend in Kauf genommen. Der Film zeichnet an Hand verschiedener Nachkommen der Gründerväter Israels die aktuellen politischen Strömungen nach, untersucht sie auf ihre Friedens- und Konsensfähigkeit in der israelischen Innenpolitik und im Umgang mit den arabischen Nachbarn. Was ist vom politischen, kulturellen und religiösen Erbe der Staatsgründer übrig geblieben?


>22.45 Uhr

Gesprächsrunde (2)

20 Min. (VPS: 22.20)
Diskussion
Es moderiert Günther Neufeldt.


>23.15 Uhr

Zwei Völker - Eine Erde

30 Min. (VPS: 21.50)
Ein historischer Überblick
Dokumentation von Thomas Hausner
Deutschland 2000
Deutsche und französische Erstausstrahlung

"Wer in Israel nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." Der Satz stammt von David Ben Gurion (1886-1973), dem Staatsgründer des modernen Judenstaates.
Israel repräsentiert die Träume und Sehnsüchte, die der Wiener Jude Theodor Herzl 1896 in seinem Werk "Der Judenstaat, Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage" artikulierte.
Der Staat Israel wurde 1948 als Heimat für die weltweit verstreut lebenden Juden gegründet. Er war Traum und Fluchtpunkt für die Überlebenden des Holocaust sowie für alle bedrängten und verfolgten Juden. Von Anfang an empfanden die Araber den Staat Israel als "Pfahl im Fleische" der arabischen Nationen.
Zwei Völker in einem Land, das konnte nicht gut gehen, das geht bis heute nicht gut. Fünf Kriege mit den arabischen Nachbarstaaten und den Palästinensern (1948 Unabhängigkeitskrieg, 1956 Suez-Krise, 1967 Sechs-Tage-Krieg, 1973 Jom-Kippur-Krieg, 1982 Libanon-Feldzug) haben bis heute stattgefunden. Die Kämpfe gegen die Intifada, den Aufstand der Palästinenser, dauern an. Dazwischen lagen Phasen relativer Ruhe, z.B. nach den Osloer Verträgen 1993, die allerdings nie von Dauer waren. Angesichts der Toten, die Tag für Tag zu beklagen sind, glaubt niemand mehr an Wunder, denn hier steht nicht Recht gegen Unrecht, sondern Recht gegen Recht.

>Dienstag, 09.01. ab 20.45 Uhr
50 Jahre Krieg - Israel und die Araber

   
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