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1.
Die Stunde Null
Am
08. Mai 1945 kapitulierte Deutschland bedingungslos. Alle Regierungsgewalt
ging auf die ver Besatzungsmächte über. Der Faschismus
war besiegt, das Deutche Reich zerschlagen: damit stellte sich die
Frage der politischen Neuordnung Deutschlands.
"Ich
wills auch ganz gewiss nicht wieder tun!"
Beyer
Simplicissimus 1947
Ein
schmächtiger kleiner deutscher Michel, seit dem Vormärz
eines
der satirischen Selbstbilder, gelobt den übermächtig
erscheinenden
Besatzungsmächten Besserung.
"Deutsche
Gefahr - oder europäische Zukunft?"
Schulz
Die Zeit, 3.1.1947
Vor einer
Kinderklinik stellen sich zwei französiche Offiziere
die Frage, wie sie deutsche Säuglinge einstufen sollen.
2.
Entente
Die
deutsch-französischen Beziehungen stellen einen historischen
Sonderfall dar. Innerhalb einer Generation wurde der Übergang
von einer tief verwurzelten Feindschaft zur engen Kooperation
auf vielen Gebieten vollzogen. Doch nationale Egoismen bestehen
fort und erschweren weitere Fortschritte.
"Ist
der Mai nicht wunderbar?.."
Eres
Archiv R. Schummer
Der
Vierzeiler mit Paarreim, der unter dieser Karikatur steht, unterstreicht
Eres'
z. T. idyllische Sicht der sich anbahnenden deutsch-französischen
Freundschaft: "Ist der Mai nicht wunderbar?/ Selbst das erbverfeindete
Paar/
träumt von klingendem Genuß/ bei dem ersten Schumankuß".
Die bildliche Darstellung veranschaulicht indes,
wie schwierig es ist, in dieser Beziehung das prekäre Gleichgewicht
zu halten.
"Germanier
und Gallier sind solidarisch"
Siné
Id., Dessins politiques, 1965
Die
Darstellung der deutsch-französichen Aussöhnung als
Verbrüderung von Lothringerkreuz (Symbol von gaullistischer
Bewegung und
damit des Widerstands gegen die faschistische Besatzung) und
Hakenkreuz (Symbol ebendieser Besatzer) verleiht dieser
Zeichnung ihre besondere Schärfe.
"Honni
soit qui mal y pense"
Bensch
Archiv Flemig (Berlin)
Die
feminisierende Darstellung des deutschen Partners stellt
eine Ausnahme dar. Die zum geflügelten Wort gewordene Inschrift
des englischen Hosenbandordens - "ein Schelm, wer Schlechtes
dabei denkt" - wird gerne in "zweideutigen" Situationen zitiert.
"Deutsch-französische
Zusammenarbeit"
Moisan
Le Canard enchâme, 26.1.1983
Der
Bogen dieser Zwei-Phasen-Zeichnung spannt sich vom
Freundschaftsvertrag 1963 ("Traité de coopération") zu dessen
20. Jahrestag
im Januar 1983. Der Untertitel "Wandel in der Kontinuität"
- eine von Giscard d'Estaing lancierte Formel bezieht sich auf
die von Moisan konstatierte Umkehrung der Größenverhältnisse in
den deutschfranzösischen Beziehungen.
Helmut Kohls Äußerung "Nun, machen wir weiter so, die Sache ist
geritzt" antwortet auf de Gaulles Aufforderung: "Nun, packen wir's
an. Der Bessere soll gewinnen".
Ohne
Titel
Joksch
Archiv Flemig (Berlin)
Während
die Großväter sich in den Wolken umarmen, gucken ihre
politischen Enkel gerade unter ihren Rockschößen hervor. Mitterrands
und Kohls Begrüßungsgeste des Hutziehens geht über in die Bettlergeste
des Huthinhaltens.
Ohne Titel
Bas
Frankfurter Allgemeine, 10.6.1987
Diese Darstellung
des Paars Kohl-Mitterrand illustriert einen
Artikel aus der Feder von H. Froment-Meurice, von 1982 bis 1983
Botschafter
Frankreichs in der Bundesrepublik, mit dem Titel: "Partner gleichen
Gewichts".
3.
Groß-Deutschmark
Die
Nachkriegsgeschichte der deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen
ist aus karikaturaler Sicht vor allem eine Geschichte permanenter
Währungskrisen. Seit 1948 ist der Franc zehnmal ab-, ide Mark
zwölfmal aufgewertet worden.
"Der
Stachel"
Leffel
Le Canard enchaîné, 8.7.1970
Leffel verbildlicht
ein Zitat des französischen Staatspräsidenten
Georges Pompidou (1969-74): "Die Stärke der deutschen Wirtschaft
soll uns anstacheln, nicht aber in Schrecken versetzen." Er zeigt
Pompidou in Gestalt des Händlergottes Hermes, der von einer DM
mit
Pickelhaube verfolgt wird.
Nach dem Amtsantritt
Pompidous
verzehnfachte sich das Abwertungstempo des Franc. Die Mark wurde
gegenüber der französischen Währung monatlich um fast ein Prozent
aufgewertet. Was für den Amtsvorgänger de Gaulle noch als nationale
Schande galt, setzte Pompidou als wachstumspolitisches Instrument
ein: die stetige Abwertung des Franc mit dem Ziel, der heimischen
WirtschaftWettbewerbsvorteile auf den ausländischen Märkte zu
verschaffen.
"Arrogant"
Le Canard
enchaîné, 22.3.1983
Die Legende:
"Kohl oder die Aufwertung der Bismark") ergänzt und
erläutert die Darstellung Kohls im Bismarckschen Soldatenmantel
mit Pickelhaube. Der Titel "Arrogant" spielt an auf eine Äußerung
Delors' im Laufe des langen Währungskonflikts im Frühjahr 1983:
der französische Wirtschaftsminister bezeichnete die Deutschen
wegen ihres (vermeintlichen) Mangels an Solidarität als arrogant.
"Armer
kranker Franc bittet um eine milde Gabe..."
Köhler Archiv
Köhler (Hannover)
Wie Clochards
ihr Geld nicht in Lebensmittel, sondern in Alkohol und
Tabak umsetzen, so gibt das verarmte Frankreich sein erbetteltes
Geld für
Atombomben und den Kolonialkrieg in Algerien aus.
"Es
hängt durch"
Escaro
Le Canard Enchainé, 12.11.1980
Diese Karikatur
bezieht sich auf eine DM-Schwäche Ende 1980, die
französische Stützkäufe erforderlich machte. Daher
Gretchens erleichterter
Kommentar: "Zum Glück habe ich einen französischen
Büstenhalter".
4.
Eurovision
5.
Kohabitation à l'allemande
6.
Der 9. November 1989 und seine Folgen
Die
Karikaturen und Texte sind mit freundlicher Genehmigung
dem Katalog "Deutsch-französische Beziehungen im Spiegel
der Karikatur" des des Goethe-Institutes Bordeaux zur gleichnahmigen
Ausstellung entnommen.
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