Die deutsch-französischen Beziehungen

>Die deutsch-französischen Beziehungen
im Spiegel der Karikatur (1945-1990)

>Verflochtene Geschichte
>Chronik der deutsch-französischen Beziehungen


Die Geschichte der deutsch-französischen
Beziehungen im Spiegel der Karikatur (1945-1990)

1. Die Stunde Null

Am 08. Mai 1945 kapitulierte Deutschland bedingungslos. Alle Regierungsgewalt ging auf die ver Besatzungsmächte über. Der Faschismus war besiegt, das Deutche Reich zerschlagen: damit stellte sich die Frage der politischen Neuordnung Deutschlands.


"Ich wills auch ganz gewiss nicht wieder tun!"

Beyer
Simplicissimus 1947

Ein schmächtiger kleiner deutscher Michel, seit dem Vormärz eines
der satirischen Selbstbilder, gelobt den übermächtig erscheinenden
Besatzungsmächten Besserung.


"Deutsche Gefahr - oder europäische Zukunft?"

Schulz
Die Zeit, 3.1.1947

Vor einer Kinderklinik stellen sich zwei französiche Offiziere
die Frage, wie sie deutsche Säuglinge einstufen sollen.


2. Entente

Die deutsch-französischen Beziehungen stellen einen historischen Sonderfall dar. Innerhalb einer Generation wurde der Übergang von einer tief verwurzelten Feindschaft zur engen Kooperation auf vielen Gebieten vollzogen. Doch nationale Egoismen bestehen fort und erschweren weitere Fortschritte.


"Ist der Mai nicht wunderbar?.."

Eres
Archiv R. Schummer

Der Vierzeiler mit Paarreim, der unter dieser Karikatur steht, unterstreicht Eres'
z. T. idyllische Sicht der sich anbahnenden deutsch-französischen Freundschaft: "Ist der Mai nicht wunderbar?/ Selbst das erbverfeindete Paar/
träumt von klingendem Genuß/ bei dem ersten Schumankuß".
Die bildliche Darstellung veranschaulicht indes,
wie schwierig es ist, in dieser Beziehung das prekäre Gleichgewicht zu halten.


"Germanier und Gallier sind solidarisch"

Siné
Id., Dessins politiques, 1965

Die Darstellung der deutsch-französichen Aussöhnung als
Verbrüderung von Lothringerkreuz (Symbol von gaullistischer Bewegung und
damit des Widerstands gegen die faschistische Besatzung) und
Hakenkreuz (Symbol ebendieser Besatzer) verleiht dieser
Zeichnung ihre besondere Schärfe.


"Honni soit qui mal y pense"

Bensch Archiv Flemig (Berlin)

Die feminisierende Darstellung des deutschen Partners stellt
eine Ausnahme dar. Die zum geflügelten Wort gewordene Inschrift
des englischen Hosenbandordens - "ein Schelm, wer Schlechtes
dabei denkt" - wird gerne in "zweideutigen" Situationen zitiert.


"Deutsch-französische Zusammenarbeit"

Moisan
Le Canard enchâme, 26.1.1983

Der Bogen dieser Zwei-Phasen-Zeichnung spannt sich vom
Freundschaftsvertrag 1963 ("Traité de coopération") zu dessen 20. Jahrestag
im Januar 1983. Der Untertitel "Wandel in der Kontinuität"
- eine von Giscard d'Estaing lancierte Formel bezieht sich auf
die von Moisan konstatierte Umkehrung der Größenverhältnisse in
den deutschfranzösischen Beziehungen.

Helmut Kohls Äußerung "Nun, machen wir weiter so, die Sache ist geritzt" antwortet auf de Gaulles Aufforderung: "Nun, packen wir's an. Der Bessere soll gewinnen".


Ohne Titel

Joksch
Archiv Flemig (Berlin)

Während die Großväter sich in den Wolken umarmen, gucken ihre
politischen Enkel gerade unter ihren Rockschößen hervor. Mitterrands
und Kohls Begrüßungsgeste des Hutziehens geht über in die Bettlergeste des Huthinhaltens.


Ohne Titel

Bas
Frankfurter Allgemeine, 10.6.1987

Diese Darstellung des Paars Kohl-Mitterrand illustriert einen
Artikel aus der Feder von H. Froment-Meurice, von 1982 bis 1983 Botschafter
Frankreichs in der Bundesrepublik, mit dem Titel: "Partner gleichen Gewichts".


3. Groß-Deutschmark

Die Nachkriegsgeschichte der deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen
ist aus karikaturaler Sicht vor allem eine Geschichte permanenter
Währungskrisen. Seit 1948 ist der Franc zehnmal ab-, ide Mark zwölfmal aufgewertet worden.


"Der Stachel"

Leffel
Le Canard enchaîné, 8.7.1970

Leffel verbildlicht ein Zitat des französischen Staatspräsidenten
Georges Pompidou (1969-74): "Die Stärke der deutschen Wirtschaft
soll uns anstacheln, nicht aber in Schrecken versetzen." Er zeigt
Pompidou in Gestalt des Händlergottes Hermes, der von einer DM mit
Pickelhaube verfolgt wird.

Nach dem Amtsantritt Pompidous
verzehnfachte sich das Abwertungstempo des Franc. Die Mark wurde
gegenüber der französischen Währung monatlich um fast ein Prozent
aufgewertet. Was für den Amtsvorgänger de Gaulle noch als nationale
Schande galt, setzte Pompidou als wachstumspolitisches Instrument
ein: die stetige Abwertung des Franc mit dem Ziel, der heimischen
WirtschaftWettbewerbsvorteile auf den ausländischen Märkte zu verschaffen.


"Arrogant"

Le Canard enchaîné, 22.3.1983

Die Legende: "Kohl oder die Aufwertung der Bismark") ergänzt und
erläutert die Darstellung Kohls im Bismarckschen Soldatenmantel mit Pickelhaube. Der Titel "Arrogant" spielt an auf eine Äußerung Delors' im Laufe des langen Währungskonflikts im Frühjahr 1983: der französische Wirtschaftsminister bezeichnete die Deutschen wegen ihres (vermeintlichen) Mangels an Solidarität als arrogant.


"Armer kranker Franc bittet um eine milde Gabe..."

Köhler Archiv Köhler (Hannover)

Wie Clochards ihr Geld nicht in Lebensmittel, sondern in Alkohol und
Tabak umsetzen, so gibt das verarmte Frankreich sein erbetteltes Geld für
Atombomben und den Kolonialkrieg in Algerien aus.


"Es hängt durch"

Escaro
Le Canard Enchainé, 12.11.1980

Diese Karikatur bezieht sich auf eine DM-Schwäche Ende 1980, die
französische Stützkäufe erforderlich machte. Daher Gretchens erleichterter
Kommentar: "Zum Glück habe ich einen französischen Büstenhalter".


4. Eurovision

5. Kohabitation à l'allemande

6. Der 9. November 1989 und seine Folgen


Die Karikaturen und Texte sind mit freundlicher Genehmigung
dem Katalog "Deutsch-französische Beziehungen im Spiegel
der Karikatur" des des Goethe-Institutes Bordeaux zur gleichnahmigen
Ausstellung entnommen.