10 Jahre ARTE

>Editorial
>ARTE-Chronik
>10 Jahre ARTE - europäisch fernsehen

>ARTE-Mitarbeiter erinnern sich an die Anfänge

 
 
 
 

Editorial

Jérôme Clément, Vizepräsident und Jobst Plog, Präsident von ARTE


ARTE eine Utopie wird Wirklichkeit

In diesem Jahr hat ARTE vielfachen Grund zum Feiern: Am 30. April 2001 begeht der Sender sein zehnjähriges Gründungs-jubiläum. Wenige Tage später, am 3. Mai, wird der Grundstein gelegt für ARTE's neuen Gesellschaftssitz - und für eine neue Etappe, in der es gilt, nach den Jahren der Etablierung und Konsolidierung die Weichen zu stellen für die Weiter-entwicklung zu einem europäischen Ganztagsprogramm.

Anfangs schien es fraglich, ob sich ein deutsch-französisches Qualitätsprogramm dauerhaft in beiden Ländern würde etablieren können. Das Projekt, ein Qualitätsprogramm für zwei Länder zu schaffen, erschien vielen als pure Utopie. Zu unüberwindlich schienen die kulturellen Unterschiede und die Sehgewohnheiten beiderseits des Rheins. Kritiker in Deutschland und Frankreich sahen ARTE vor allem als ein "Kind der Politik". Aber diese Geburtshilfe ermöglichte überhaupt erst die Entstehung eines Senders, der für seine Gründerväter François Mitterrand, Helmut Kohl und Lothar Späth das Herzstück einer engen kulturellen Zusammenarbeit zwischen beiden Länder bilden sollte.

ARTE hat die anfänglichen Bedenken in eindrucksvoller Weise Lügen gestraft und ist, ungeachtet einer zunehmenden Konkurrenz, längst zu einem festen Bestandteil der Fernsehlandschaft nicht nur in Deutschland und Frankreich, sondern darüber hinaus im gesamten deutsch-französischen Sprachraum geworden. Heute ist ARTE keine Utopie mehr. Der Name ARTE steht in ganz Europa als Synonym für kreatives Qualitätsprogramm. Was anfangs als das größte Handicap des Senders galt - ein Programm für zwei Länder zu machen - hat sich in der Rückschau als sein wichtigstes Atout erwiesen: wie kein anderer Sender in Europa praktiziert ARTE den "regard croisé", den Blick über die Kultur- und Sprachbarrieren hinweg. Ein Blick, der Neugier weckt für das Fremde und Unbekannte; ein Blick, der die Menschen und Dinge mit Respekt betrachtet, ohne sie zu entblößen; der den Zuschauer mit dem Objekt vertraut macht, ohne ihn in die Rolle des Voyeurs zu drängen.

Dabei ist ARTE keineswegs ein Programm nur für eine intellektuelle Elite. Mit seiner breiten Programmvielfalt wendet sich ARTE vielmehr an alle neugierigen, entdeckungs-lustigen Zuschauer jeden Alters. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise, wie zuletzt der Goldene Bär für die ARTE-Koproduktion "Intimacy" des französischen Regisseurs Patrice Chéreau, oder letztes Jahr die Goldene Palme für "Dancer in the Dark" von Lars von Trier unterstreichen die heraus-ragende Qualität der ARTE-Programme. Der europäische Spielfilm erhielt durch ARTE neue Impulse. Zahlreiche junge Regisseure und Schauspieler der "Generation ARTE", wie Mathieu Kassovitz oder Tom Tykwer, wurden durch ARTE entdeckt und werden heute vom Publikum in ganz Europa gefeiert.

Wir möchten an dieser Stelle all denjenigen danken, die zu diesem Erfolg beigetragen haben, vor allem unseren Zuschauern, die uns täglich Ihre Verbundenheit und Treue bezeugen, sowie allen Mitarbeitern des Senders in Frankreich, Deutschland und Europa. Unsere Anerkennung gilt nicht zuletzt der Presse, die uns von Anbeginn als kritischer Wegbegleiter unterstützt hat. War ARTE zu Beginn ein ausschließlich deutsch-französisches Projekt, so hat der Sender im Laufe der Jahre zahlreiche europäische Partner gefunden, die dem Sender ein zunehmend europäisches Profil verleihen.

Gegenwärtig bestehen Partnerschaftsvereinbarungen mit der belgischen RTBF, der schweizerischen SRG SSR, der spanischen TVE, der polnischen TVP, der finnischen YLE, der niederländischen NPS sowie dem österreichischen ORF. Insgesamt schauen in Europa rund 33 Millionen Zuschauer regelmäßig ARTE. ARTE's Erfolg wird nicht zuletzt davon abhängen, inwieweit es auch in der Zukunft dem Sender gelingen wird, neue, kreative und attraktive Programmformate zu entwickeln. Dies gilt insbesondere für das seit Januar ausgestrahlte Nachmittagsprogramm, welches in beiden Mitgliedsländern bislang lediglich digital über Satellit zu empfangen ist. Dies ist jedoch nur die erste Etappe auf dem Weg zu einem Ganztagsprogramm.

Die für Ende 2002 vorgesehene Einführung der digital-terrestrischen Ausstrahlungsnorm in Frankreich bietet schon bald die technischen Voraussetzungen, das Programm-schema auszudehnen und ARTE künftig rund um die Uhr auszus-trahlen. Die Bereitstellung zusätzlicher Sendeflächen versetzt uns zudem in die Lage, unsere internatio-nalen Partnerschaften auszubauen und das Programm weiter zu "europäisieren". Im digitalen Zeitalter spielt sich freilich "Fernsehen" nicht allein im "Fernseher" ab.

Dem Internet wächst als Komplementärmedium eine zentra-le Bedeutung zu. Ergänzend zum Programm wird ARTE daher künftig auf seiner Website neben begleiten-den und vertiefenden Programminformationen auch interaktive, thematisch gegliederte "Community"-Angebote bieten und damit einen engeren Kontakt mit seinen Zuschauern und sonstigen Internauten ermöglichen. Der digitale Fortschritt rückt unsere Vision in greifbare Nähe: durch kulturelle Verständigung zur Schaffung einer europäischen Öffentlichkeit beizutragen. ARTE wird nach besten Kräften zu diesem grenzenlosen Dialog zwischen Europäern beitragen.

Jobst Plog Präsident
Jérôme Clément Vizepräsident