Programm unter der Lupe:
Deutsch-französische Geschichten


>Jules und Jim
>"Eine reine Liebe zu dritt"
>Filmen um zu leben
>François Truffaut: Biographie
>François Truffaut: Filmographie, Links

>Der Diplomat Stephane Hessel

>La Grande Illusion
>Interview mit der Historikerin Odile Gozillon Fronsacq
>Jean Renoir: Biographie
>Jean Renoir: Filmographie
>Buchtipps und Links

>Die Hohkönigsburg
>Interview mit der Konservatorin der Burg, Monique Fuchs
>Die Geschichte der Hohkönigsburg

Die Elsässer
>Gespräch mit den Drehbuchautoren
>Interview mit Roger Siffer, der Gallionsfigur der elsässischen Identität

Die deutsch-französischen Beziehungen im Spiegel der Karikatur (1945-1990)
>Verflochtene Geschichte
>Chronik der deutsch-französischen Beziehungen

Eine Einleitung
von Hans Robert Eisenhauer,
Themenabendchef und stellvertretender Programmdirektor

ARTE hat einen Grund zum Feiern. Am 30.April vor zehn Jahren wurde in Strasbourg der Gründungsvertrag zum Deutsch-Französischen Kulturkanal unterzeichnet. Damit begann ein neues Kapitel in den kulturellen und politischen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland. Anfangs schlug dem neuen Sender allerdings auch Skepsis entgegen. Die Ehe war rechtsgültig geschlossen, von einer Liebesheirat wollte damals noch kaum jemand reden. Aus dem " Octroi der Politik" ist inzwischen ein in aller Welt angesehenes Unternehmen geworden, das in seinem kurzen Senderleben bereits Fernsehgeschichte geschrieben hat.

Die jüngst geschlossenen Verträge mit dem polnischen Fernsehen und Österreichs ORF über eine assoziierte Mitgliedschaft und die Koproduktionsverträge mit Stationen in zahlreichen weiteren europäischen Ländern machen deutlich, ARTE ist auf dem Weg nach Europa. Fast 100 Millionen Haushalte auf dem ganzen Kontinent, in Skandinavien, in Nordafrika und dem nahen Osten können ARTE heute empfangen. Und doch bleiben Sender und Programm auf ihrem deutsch-französischen Fundament fest verankert.

Es ist also kein Zufall, wenn wir aus Anlaß des Gründungstages von ARTE um den 30.April herum vor allem an die wechselvollen Beziehungen der Gründerländer des Europäischen Kulturkanals erinnern. Neben dem Familiendrama "Die Elsässer" , einer der aufwendigsten deutsch-französischen Koproduktionen des vergangenen Jahrzehnts, ausgezeichnet mit dem renommierten Grimmepreis, sind vor allem zwei Beiträge, die ich besonders hervorheben will und auf deren Wiedersehen ich persönlich mich freue. Es war das Kino von Jean Luc Godard, von Louis Malle, Claude Chabrol und natürlich von Francois Truffaut, das den frischen Wind der Nouvelle Vague Anfang der 60er Jahre in die verstaubten deutschen Kinos blies.

Und vor allen anderen war es Truffauts Meisterwerk "Jules und Jim", der mich begeisterte. Die Leichtigkeit und Eleganz, mit der Truffaut diese "ménage â trois" erzählt und mit diesem Tabubruch der eigentlichen sexuellen Revolution um Jahre vorauseilt, macht den Film zu einem der schönsten der Kinogeschichte.

Fortan waren es die Geschichten von Truffaut, Godard, Malle und all den anderen jungen französischen Filmemachern, die uns dem Muff der späten Adenauergesellschaft in Deutschland wenigstens im Kino entkommen ließen. "Jules und Jim" war für mich damals zuerst eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, und ich kenne keinen, der nicht in Jeanne Moreau verliebt war.

Der Film ist aber auch die Geschichte einer tiefen Freundschaft zwischen zwei Männern, die über Feindschaft und Krieg ihrer Völker hinaus Bestand hat. "Jules und Jim" geht zurück auf die Erlebnisse des französischen Kunsthändlers Henri-Pierre Roch und des deutschen Schriftstellers Franz Hessel Anfang des vergangenen Jahrhunderts in der Pariser Bohéme.