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François Truffaut: Biographie

Er lebt bis zu seinem achten Lebensjahr bei der Großmutter. Einer - wie er sich später erinnert - traurigen Kindheit entflieht er durch exzessiven Kinokonsum: Zwischen 1942 und 1950 sieht er ca. 2000 Filme. Mit 14 Jahren bricht er den Schulbesuch am Lycée Rollin in Paris ab, arbeitet als Bote und Verkäufer. 1948 Gründung des Arbeiterfilmclubs "Cercle Cinémane". Bekanntschaft mit André Bazin, dem Filmkritiker und Chefredakteur der "Cahiers du cinéma". Als 16jähriger verschuldet er sich für den Filmclub und kommt auf Veranlassung des Vaters vorübergehend in eine Anstalt für minderjährige Straftäter.

Danach Fabrikarbeiter, dann Reporter für die Illustrierte "Elle". In einer Filmclub-Zeitschrift veröffentlicht er 1950 seine erste Filmbesprechung. 1951 Militärdienst in einem Artillerie-Regiment in Deutschland, Desertion und Flucht nach Frankreich. Kasernierung, erneute Desertion, als er nach Indochina abkommandiert werden soll. 6 Monate Militärgefängnis. Danach verschafft Bazin ihm Arbeit bei den "Cahiers du cinéma". Mit seinem im Januar 1954 veröffentlichten Artikel "Une certaine tendance du cinéma français" avanciert Truffaut zum Apologeten des Autorenfilms bzw. schärfsten Kritiker des französischen Boulevard-Kinos und liefert zugleich (zusammen mit seinen Freunden Chabrol, Godard, Resnais, Rivette und Rohmer) das theoretische Fundament der Nouvelle Vague. Im selben Jahr erster 16mm-Kurzfilm: "Une visite".

1956 Assistenz bei Roberto Rossellini. Mitarbeit an Filmen von Jean-Luc Godard (Szenario zu "A bout de souffle") und Jacques Rivette. 1959 Debütfilm "Les 400 coups", der die Geschichte des 13jährigen Antoine Doniel (Jean-Pierre Léaud) erzählt, in dem Truffaut seine eigene schwierige Kindheit reflektiert. Der im Cinemascope-Format gedrehte Film wird in Cannes für die beste Regie ausgezeichnet und ist auch an der Kinokasse erfolgreich. Später setzt Truffaut mit den Filmen "Antoine et Colette" (1961), "Baisers volés" (1968), "Domicile conjugale" (1970) und "L'amour en fuite" (1979) seinen biographisch angelegten Doniel-Zyklus (jeweils mit Jean-Pierre Léaud) fort. 1961/62 erzählt Truffaut nach Henri-Pierre Roches halb-autobiografischem Roman "Jules et Jim" - mit Oskar Werner und Henri Serre sowie Jeanne Moreau - die Geschichte zweier Freunde, die die gleiche Frau lieben. Nach dem Mißerfolg von "La peau douce" (1963) findet Truffaut in Frankreich für sein nächstes Projekt keine Geldgeber.

Er dreht in den Pinewood-Studios in London 1966 als englisch-amerikanische Co-Produktion seinen ersten Farbfilm, "Fahrenheit 451", nach Ray Bradburys gleichnamigem Roman. In dem Science-Fiction-Film spielt Oskar Werner den Feuerwehrmann Montag, der keine Brände löscht, sondern die Aufgabe hat, Bücher zu verbrennen, um sie so "unschädlich" zu machen; Julie Christie spielt in einer Doppelrolle die bücherhassende Ehefrau und die bibliophile Geliebte. Mit "L'Enfant sauvage" (1969, auch Hauptdarsteller), "Les deux Anglaises et le continent" (1971) und "L'Histoire d'Adèle H." (1975) unternimmt Truffaut melancholische Ausflüge ins 19. Jahrhundert, mit "La chambre verte" (1977/78, ebenfalls Hauptrolle) in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Ein Höhepunkt seines Werks ist "La nuit américaine" (1973), ein Film, der das Filmemachen selbst thematisiert: Truffaut spielt den Regisseur Ferrand, der ein konventionelles Kino-Melodram mit Jacqueline Bisset und Jean-Pierre Léaud inszeniert, und zeigt in der zärtlichen Zeichnung auch der Nebenfiguren seine Dankbarkeit für alle Mitarbeiter des Filmteams.

Diese Hommage an sein Medium bringt Truffaut einen Oscar für den besten ausländischen Film sowie zwei Oscar-Nominierungen (Regie, Drehbuch) ein. Zwischen romanischen Tragikomödien wie "Une belle fille comme moi" (1972), "L'Homme qui aimait les femmes" (1976/77), "Le dernier métro" (1980) und "La femme d'à côté" (1981) macht Truffaut immer wieder thematische und stilistische Anleihen beim amerikanischen Film Noir: von seinem zweiten Film "Tirez sur le pianiste" (1960) über "La mariée était en noir" (1967) und "La sirène du Mississippi" (1968/69), beide nach Romanen von William Irish (d.i. Cornell Woolrich), bis zu seinen letzten Film, "Vivement dimanche!" (1982/83), mit Fanny Ardant, den er mit Kameramann Nestor Almendros in Schwarz-weißem Stil amerikanischer B-Pictures dreht.

Truffaut, der außer Auftritten in eigenen Filmen auch in Steven Spielbergs "Close Encounters of the Third Kind" (1977) einen französischen Wissenschaftler spielt, veröffentlich neben seinen gesammelten Filmkritiken auch ein einflußreiches und höchst erfolgreiches Interview-Buch mit seinem Vorbild Alfred Hitchcock. Er lebt bis zu seinem achten Lebensjahr bei der Großmutter. Einer - wie er sich später erinnert - traurigen Kindheit entflieht er durch exzessiven Kinokonsum: Zwischen 1942 und 1950 sieht er ca. 2000 Filme.

Mit 14 Jahren bricht er den Schulbesuch am Lycée Rollin in Paris ab, arbeitet als Bote und Verkäufer. 1948 Gründung des Arbeiterfilmclubs "Cercle Cinémane". Bekanntschaft mit André Bazin, dem Filmkritiker und Chefredakteur der "Cahiers du cinéma". Als 16jähriger verschuldet er sich für den Filmclub und kommt auf Veranlassung des Vaters vorübergehend in eine Anstalt für minderjährige Straftäter. Danach Fabrikarbeiter, dann Reporter für die Illustrierte "Elle". In einer Filmclub-Zeitschrift veröffentlicht er 1950 seine erste Filmbesprechung. 1951 Militärdienst in einem Artillerie-Regiment in Deutschland, Desertion und Flucht nach Frankreich. Kasernierung, erneute Desertion, als er nach Indochina abkommandiert werden soll. 6 Monate Militärgefängnis. Danach verschafft Bazin ihm Arbeit bei den "Cahiers du cinéma".

Mit seinem im Januar 1954 veröffentlichten Artikel "Une certaine tendance du cinéma français" avanciert Truffaut zum Apologeten des Autorenfilms bzw. schärfsten Kritiker des französischen Boulevard-Kinos und liefert zugleich (zusammen mit seinen Freunden Chabrol, Godard, Resnais, Rivette und Rohmer) das theoretische Fundament der Nouvelle Vague. Im selben Jahr erster 16mm-Kurzfilm: "Une visite". 1956 Assistenz bei Roberto Rossellini. Mitarbeit an Filmen von Jean-Luc Godard (Szenario zu "A bout de souffle") und Jacques Rivette. 1959 Debütfilm "Les 400 coups", der die Geschichte des 13jährigen Antoine Doniel (Jean-Pierre Léaud) erzählt, in dem Truffaut seine eigene schwierige Kindheit reflektiert.

Der im Cinemascope-Format gedrehte Film wird in Cannes für die beste Regie ausgezeichnet und ist auch an der Kinokasse erfolgreich. Später setzt Truffaut mit den Filmen "Antoine et Colette" (1961), "Baisers volés" (1968), "Domicile conjugale" (1970) und "L'amour en fuite" (1979) seinen biographisch angelegten Doniel-Zyklus (jeweils mit Jean-Pierre Léaud) fort. 1961/62 erzählt Truffaut nach Henri-Pierre Roches halb-autobiografischem Roman "Jules et Jim" - mit Oskar Werner und Henri Serre sowie Jeanne Moreau - die Geschichte zweier Freunde, die die gleiche Frau lieben. Nach dem Mißerfolg von "La peau douce" (1963) findet Truffaut in Frankreich für sein nächstes Projekt keine Geldgeber.

Er dreht in den Pinewood-Studios in London 1966 als englisch-amerikanische Co-Produktion seinen ersten Farbfilm, "Fahrenheit 451", nach Ray Bradburys gleichnamigem Roman. In dem Science-Fiction-Film spielt Oskar Werner den Feuerwehrmann Montag, der keine Brände löscht, sondern die Aufgabe hat, Bücher zu verbrennen, um sie so "unschädlich" zu machen; Julie Christie spielt in einer Doppelrolle die bücherhassende Ehefrau und die bibliophile Geliebte. Mit "L'Enfant sauvage" (1969, auch Hauptdarsteller), "Les deux Anglaises et le continent" (1971) und "L'Histoire d'Adèle H." (1975) unternimmt Truffaut melancholische Ausflüge ins 19. Jahrhundert, mit "La chambre verte" (1977/78, ebenfalls Hauptrolle) in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Ein Höhepunkt seines Werks ist "La nuit américaine" (1973), ein Film, der das Filmemachen selbst thematisiert: Truffaut spielt den Regisseur Ferrand, der ein konventionelles Kino-Melodram mit Jacqueline Bisset und Jean-Pierre Léaud inszeniert, und zeigt in der zärtlichen Zeichnung auch der Nebenfiguren seine Dankbarkeit für alle Mitarbeiter des Filmteams.

Diese Hommage an sein Medium bringt Truffaut einen Oscar für den besten ausländischen Film sowie zwei Oscar-Nominierungen (Regie, Drehbuch) ein. Zwischen romanischen Tragikomödien wie "Une belle fille comme moi" (1972), "L'Homme qui aimait les femmes" (1976/77), "Le dernier métro" (1980) und "La femme d'à côté" (1981) macht Truffaut immer wieder thematische und stilistische Anleihen beim amerikanischen Film Noir: von seinem zweiten Film "Tirez sur le pianiste" (1960) über "La mariée était en noir" (1967) und "La sirène du Mississippi" (1968/69), beide nach Romanen von William Irish (d.i. Cornell Woolrich), bis zu seinen letzten Film, "Vivement dimanche!" (1982/83), mit Fanny Ardant, den er mit Kameramann Nestor Almendros in Schwarz-weißem Stil amerikanischer B-Pictures dreht.

Truffaut, der außer Auftritten in eigenen Filmen auch in Steven Spielbergs "Close Encounters of the Third Kind" (1977) einen französischen Wissenschaftler spielt, veröffentlich neben seinen gesammelten Filmkritiken auch ein einflußreiches und höchst erfolgreiches Interview-Buch mit seinem Vorbild Alfred Hitchcock.

Quelle: Lexikon des internationalen Films 1999/2000 (CD-ROM) Copyright 1999 Systhema Verlag, München