Eine Chronik

1931
28. November: Geburt von Jean Thomas (Tomi) Ungerer in Straßburg. Die Eltern sind Alice Essler und Théodore Ungerer ­ Künstler, Historiker und gleichzeitig Hersteller von astronomischen Uhren.

1935
September: Der Vater stirbt. Die Familie Ungerer zieht von Straßburg nach Logelbach bei Colmar.

1939 -1945

Für die Dauer des 2. Weltkrieges wird das Haus der Familie Ungerer teilweise von der deutschen Wehrmacht beschlagnahmt. Die gegenüberliegende Fabrik Haussmann wird zu einem Gefangenenlager. Tomi Ungerer besucht die Oberschule Matthias Grünewald in Colmar, wo er systematischer Nazi-Indoktrination ausgesetzt ist. In der Schlacht um den Colmarer Brückenkopf wird er mit den Schrecken des Krieges konfrontiert.

1945
Nach Kriegsende wird in den Schulen wieder das französische System eingeführt, Elsässisch wird verboten.

1950
In seinem Abschlußzeugnis wird Tomi Ungerer als "pervers und subversiv" bezeichnet, er beschließt auszusteigen um zu reisen. So kommt er zu Fuß und per Autostopp bis nach Lappland.

1952
Verpflichtet sich beim Kamelkorps in Algerien, erkrankt aber schwer und verbringt die meiste Zeit in Lazaretten.

1953
April: Ausgemustert kehrt Tomi Ungerer nach Straßburg zurück. Er wird Student an der Ecole Municipale des Arts Décoratifs.

1954
Arbeitet als Schaufensterdekorateur und Werbezeichner. Er besucht das amerikanische Kulturzentrum, verkehrt mit Fullbright-Studenten, entdeckt Saul Steinberg und James Thurber und beginnt sich immer mehr für die amerikanische Szene zu interessieren.

1956
Februar: Schifft sich mit sechzig Dollar in der Tasche nach den USA ein.

1957
Im New Yorker Verlag Harper erscheint sein erstes Kinderbuch The Mellops Go Flying. Arbeiten für Zeitschriften wie "Esquire", "Life", "Holiday", "Harper‘s", "The New York Times" und Werbung

1960
Im Diogenes Verlag erscheint Der schönste Tag, 1961 folgt Weltschmerz. Beginn der Zusammenarbeit und Freundschaft mit dem Verleger Daniel Keel.

1962
Mai: Erste Gesamtausstellung in Berlin unter dem Patronat von Willy Brandt.

1970
Tomi Ungerer begegnet in der New Yorker Untergrundbahn Yvonne Wright.

1971
Heirat mit Yvonne Wright. Zusammen ziehen sie aus New York weg und lassen sich in Nova Scotia, Kanada nieder, wo sie eine Farm bewirtschaften. Mit Daniel Keel arrangiert Tomi Ungerer zahlreiche Ausstellungen in Europa.

1975
Das große Liederbuch erscheint. Mit einer großen Ausstellung im Straßburger Musée d‘Art Moderne dokumentiert Tomi Ungerer seine Bindungen zum Elsaß.

1976
Übersiedlung auf eine Farm in Südirland. Er stiftet den Museen von Straßburg seine Sammlung alten mechanischen Spielzeugs und später, im Jahre 1979, eine<n großen Teil seines künstlerischen Werkes.

1981
Im Musée des Arts Décoratifs, Paris, findet die bisher größte Retrospektive seines Schaffens statt, die anschließend als Wanderausstellung durch verschiedene große Städte Europas reist.

1983
Tomi Ungerer erhält für sein Gesamtwerk den "Jakob-Burckhardt-Preis" der Goethe-Stiftung Basel.

1984
Dezember: Tomi Ungerer wird zum "Commandeur de l‘ordre des Arts et Lettres" ernannt und Beauftragter des französischen Kulturministers Jack Lang.

1985 -1987
Längere Aufenthalte in Hamburg, dort entsteht sein Werk Schutzengel der Hölle.

1987
Beauftragter von André Bord in der "Interministeriellen Kommission Frankreich-BRD".

1989
Häufige Aufenthalte im Elsaß.

1990
François Mitterrand, der französische Staatspräsident, ernennt Tomi Ungerer zum "Chevalier de la Légion d‘Honneur". In Straßburg wird das Tomi-Ungerer-Dokumentationszentrum, eine umfangreiche Privatkollektion des Künstlers (Originalzeichnungen, Plakate, Stiche, Serigraphien), eröffnet.
Am 14.10. Eröffnung von Tomi Ungerers "Kulturbank" in Straßburg.

1992
Bundesverdienstkreuz für Tomi Ungerers Beitrag zum kulturellen Austausch und zur deutsch-französischen Verständigung.

1995
Tomi Ungerer wird der französische "Große Nationalpreis für Grafik" verliehen.